Fließband in der Autoindustrie | dpa

Ifo-Index trotzt dritter Welle Zuversichtlich in den Frühling

Stand: 26.03.2021 12:21 Uhr

Die Unternehmer werden trotz der sich wieder verschlechternden Corona-Lage hoffnungsvoller: Im März hellt sich das Ifo-Geschäftsklima deutlich auf. Dabei dürfte es bis zum Aufschwung länger dauern.

Während der Lockdown das Land weiter im Griff hält und die dritte Corona-Welle heran rollt, steigt der Optimismus in den Unternehmen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte von 92,7 Zählern im Februar auf aktuell 96,6 Punkte. Das ist der höchste Wert seit Juni 2019 und deutlich mehr, als Fachleute prognostiziert hatten.

Ifo-Geschäftsklima-Index März 2021 |

Besonders im Verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung prächtig: Ihre Erwartungen waren zuletzt im November 2010 so optimistish, wie das Ifo-Institut berichtet. Aber in allen Industriebranchen stünden die Zeichen auf Aufschwung.

Nachfrage aus USA und China

"Trotz steigender Infektionszahlen startet die deutsche Wirtschaft zuversichtlich in den Frühling", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten auch den Geschäftsausblick für die kommenden sechs Monate und ihre Lage günstiger als zuletzt.

"Die Industrie ist richtig stark", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Ihre Exporterwartungen sind regelrecht explodiert, vor allem wegen der starken Nachfrage aus den USA und China." Das billionenschwere Konjunkturpaket von US-Präsident Joe Biden könne der exportabhängigen deutschen Industrie laut Wohlrabe weiteren Auftrieb verleihen.

Vorschusslorbeeren für Impfkampagne

So sieht das auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank: "Damit sind nun die Signale klar: Im zweiten Quartal geht es konjunkturell voran. Die Unternehmen versehen die hoffentlich an Fahrt gewinnende Impfkampagne mit Vorschusslorbeeren. Es wird davon ausgegangenen, dass nicht nur die heimische Wirtschaft, sondern die Weltkonjunktur Fahrt aufnimmt."

Doch es gibt auch mahnende Stimmen. So warnt Helaba-Experte Ulrich Wortberg: "Die Erwartungen sollten nicht zu hochgesteckt werden". Es gelte zu berücksichtigen, dass in der ersten April-Hälfte Belastungsfaktoren durch verlängerte und zum Teil verschärfte Corona-Beschränkungen entstünden.

Prognosen werden gesenkt

Zumal die gesamtwirtschaftlichen Konjunkturausichten von Fachleuten tendenziell kritischer betrachtet werden. Das Ifo-Institut hatte erst in dieser Woche wegen anhaltender Lockdowns die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft für das laufende Jahr von 4,2 auf 3,7 Prozent gesenkt. "Die Corona-Krise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) blickt pessimistischer in die Zukunft und prognostiziert für 2021 nur noch ein BIP-Wachstum von 3,0 Prozent. Im Herbst war das IW noch von einem Plus von 4,0 Prozent ausgegangen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2021 um 12:00 Uhr.