Bauarbeiter

ifo-Geschäftsklima Stimmung nur leicht aufgehellt

Stand: 26.04.2021 14:14 Uhr

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich laut aktuellem ifo-Index nur minimal verbessert. Die Unwägbarkeiten der Pandemie wiegen für die Unternehmen weiter schwer. Dazu kommen wachsende Versorgungs-Engpässe.

In Deutschland hat sich die Unternehmensstimmung im April zwar leicht verbessert, aber ein wirklicher Schritt nach vorn sind die Daten des ifo-Geschaftsklimas nicht: Der Index stieg gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf 96,8 Zähler, wie das Münchner Institut mitteilte. Das ist immerhin der höchste Wert seit Juni 2019.   

Fachleute hatten jedoch mit einem stärkeren Zuwachs auf im Schnitt 97,8 Punkte gerechnet. Dennoch wird der dritte Anstieg des Frühindikators in Folge von Ökonomen normalerweise als konjunktureller Wendepunkt interpretiert. Aus den Daten geht außerdem hervor, das die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage besser bewerteten. Die Aussicht auf das kommende halbe Jahr trübte sich hingegen ein.

ifo-Geschäftsklima-Index April 2021

ifo-Geschäftsklima-Index April 2021

Die Wirkung der dritten Welle

"Die dritte Infektionswelle und Engpässe bei Vorprodukten dämpfen die Erholung der deutschen Wirtschaft", kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest. Wie auch in den vergangenen Wochen fallen die Ergebnisse je nach Sektor unterschiedlich aus.

Für die Industrie läuft es weiter sehr rund, allerdings erhielten die optimistischen Erwartungen einen Dämpfer. "45 Prozent der Unternehmen berichteten über Engpässe bei Vorprodukten - das ist der höchste Wert seit 1991", betonte Fuest. Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima dennoch auf den höchsten Wert seit Mai 2018.

Die Kapazitätsauslastung konnte deutlich auf 86,2 Prozent zulegen und liegt damit erstmals seit knapp zwei Jahren wieder über dem langfristigen Durchschnitt. Die Industrie boome zwar, die Engpässe bei Vorprodukten wie Halbleitern seien aber die Schattenseite, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Da sei Sand im Getriebe bei der Beschaffung, und zwar über fast alle Branchen hinweg.

Sorgen im Dienstleistungssektor

Im Dienstleistungssektor trübte sich die Stimmung wieder etwas ein. Die Firmen waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. "Auch der zuletzt aufkeimende Optimismus ist wieder verschwunden." Während die Logistikbranche vom Aufschwung in der Industrie profitiere, litten insbesondere das Gastgewerbe und der Tourismussektor unter dem Lockdown.

Im Handel zog das Geschäftsklima leicht an - nicht zuletzt wegen der besseren Lage etwa bei Autohändlern. Mit Blick auf die kommenden Monate hingegen habe der Pessimismus wieder merklich zugenommen. Im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich laut ifo die Stimmung der Betriebe ebenfalls.

Engpässe und Lieferprobleme  

"Der Aufholprozess gerät etwas ins Stocken", kommentierte Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der LBBW. Wahrscheinlich habe das mit der unsicheren Fortentwicklung der Pandemie zu tun und der Antwort der Politik darauf - Stichwort "Osterruhe".

Michael Holstein, Chefvolkswirt DZ Bank meinte, die aktuelle Umfrage zeige, dass der exportgetriebene Boom in der deutschen Industrie weitergehe. "Aufgrund der globalen Nachfrage nach Industrie-Gütern macht sich aber der Engpass bei wichtigen Vorprodukten wie Speicherchips bemerkbar. Es könnte Monate dauern, bis die Lieferprobleme überwunden sind, weshalb sich die Aussichten etwas eintrüben."

"Richtig Schwung dürfte die Erholung erst gewinnen, wenn der Lockdown merklich gelockert wird, was wir ab Ende Mai erwarten", kommentierte Jörg Kramer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Dann würden die Konsumenten wohl einen Teil der zwangsweise gebildeten Ersparnisse auflösen, die sich nach unseren Schätzungen mittlerweile auf sieben Prozent ihrer jährlichen Einkommen belaufen.