Eine Hand zählt Geldscheine | dpa

Stärkster Zuwachs seit 1981 Großhandelspreise steigen rasant

Stand: 12.07.2021 11:26 Uhr

Noch hält sich die Teuerungsrate der Verbraucherpreise in Grenzen. Doch der Anstieg der Großhandelspreise im Juni um über zehn Prozent deutet darauf hin, dass sich die Preisspirale beschleunigen wird.

Die Verkaufspreise im Großhandel sind im Juni so stark gestiegen wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten die Großhandelspreise um 10,7 Prozent gegenüber Juni 2020 zu. Eine noch höhere Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat hatte es demnach zuletzt im Oktober 1981 in der Folge der zweiten Ölkrise gegeben - damals lagen die Preise um elf Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Im Mai des laufenden Jahre hatte der Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei 9,7 Prozent gelegen und im April bei 7,2 Prozent. Die hohen Steigerungsraten begründen sich zum Teil durch das sehr niedrige Preisniveau der Vorjahresmonate, als viele Preise wegen der Corona-Krise eingebrochen waren.

Preistreiber Rohöl

Den größten Einfluss auf den Anstieg der Großhandelspreise hatte dabei die Verteuerung der Ölpreise. Sie legten im Vorjahresvergleich um 37,7 Prozent zu. Besonders kräftige Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr gab es auch im Großhandel mit Altmaterial und Schrott mit einem Plus von 77,6 Prozent sowie mit Erzen und Metallen (plus 54,2 Prozent). Erheblich teurer wurden im Vorjahresvergleich auch Roh- und Schnittholz (plus 48,4 Prozent) sowie Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel (plus 26,9 Prozent). 

Niedriger als im Juni 2020 waren die Preise im Großhandel mit Computern, peripheren Geräten wie Druckern und Software (minus 3,7 Prozent) sowie mit Fischen und Fischerzeugnissen (minus 1,2 Prozent).

Nur vorübergehender Effekt?

Experten befürchten, dass sich der massive Anstieg auch auf die Verbraucherpreise auswirken wird, zumindest teilweise. Nach einem leichten Rückgang der Inflationsrate im Juni auf 2,3 Prozent, gehen die Ökonomen der Bundesbank davon aus, dass sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten auf über vier Prozent beschleunigen wird. Allerdings soll es sich dabei um einen vorübergehenden Effekt handeln, weil die Preise im gleichen Zeitraum des Vorjahres gefallen waren. Dieser sogenannte Basiseffekt werde im kommenden Jahr wieder auf ein normales Maß einpendeln, so die Notenbank, und die Inflationsrate entsprechend sinken.

"Ich bin mir sicher, dass wir keine übermäßig hohe Inflation erleben werden", sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Ob sich der Preisanstieg verstetige, hänge wesentlich davon ab, ob auch die Löhne steigen und die Teuerung dadurch verstärkten, so Schnabel. "Bislang sehen wir davon wenig - auch in Deutschland", so die EZB-Direktorin.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juli 2021 um 12:40 Uhr in der Wirtschaft.

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Moderation 12.07.2021 • 19:26 Uhr

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