Holzstämme liegen sortiert in einem Holzlager | picture alliance/dpa

Inflation in Deutschland Im Großhandel explodieren die Preise

Stand: 13.12.2021 12:59 Uhr

Im deutschen Großhandel sind die Preise so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Statistik. Auch Verbraucher werden damit für viele Produkte bald wohl noch mehr zahlen müssen.

Die Preise im deutschen Großhandel sind im November wegen teurer Rohstoffe und Vorprodukte in Rekordtempo gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Großhandelsverkaufspreise 16,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Dies war demnach der höchste Anstieg im Vorjahresvergleich seit Beginn der Berechnung vor 59 Jahren.

Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb erneut deutlich: Im Oktober hatte die Teuerungsrate noch bei 15,2 Prozent und im September bei 13,2 Prozent gelegen. Zu den stärksten Preistreibern im Großhandel zählten im November einmal mehr die Mineralölerzeugnisse, die durchschnittlich 62 Prozent mehr als ein Jahr zuvor kosteten. Altmaterialien und Reststoffe verteuerten sich sogar um 77 Prozent, Erze, Metalle und Vorprodukte aus Metall um 60 Prozent. Erheblich gestiegen sind auch die Preise für Roh- und Schnittholz mit plus 41 Prozent.

Auch landwirtschaftliche Produkte teurer

Das Statistische Bundesamt meldete zugleich für den Oktober einen Anstieg der Getreidepreise um 37 Prozent. Kartoffeln verteuerten sich wegen der geringen Ernte um 44 Prozent, Raps sogar um 62 Prozent. Der Preistrend bei der Nutzpflanze hängt auch damit zusammen, dass sie inzwischen auch zunehmend für die Energiegewinnung verwendet wird.

Der Großhandel ist eine von mehreren Wirtschaftsstufen, auf denen sich das allgemeine Preisniveau bildet. Neben dem Großhandel zählen dazu auch die Preise für nach Deutschland eingeführte Güter, die so genannten Importpreise. Sie alle wirken sich auf die Verbraucherpreise aus, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. In Deutschland waren die Verbraucherpreise zuletzt mit 5,2 Prozent so stark gestiegen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Lieferketten immer noch gestört

Wegen der raschen Erholung der Weltkonjunktur vom Pandemie-Schock wachsen insbesondere die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China in diesem Jahr recht stark. Dadurch kommt es zu globalen Engpässen, die zu steigenden Preisen führen. Außerdem sind die Lieferketten weiter gestört, etwa durch Corona-Ausbrüche in China, wo die Behörden zuletzt mehrfach ganze Fabriken oder Häfen geschlossen hatten.

Die Wirtschaftsweisen erwarten in ihrem Jahresgutachten für die Bundesregierung für das zu Ende gehende Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,1 Prozent. Sie soll 2022 auf 2,6 Prozent fallen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.