Goldbarren werden gegossen

Der Goldpreis steigt Inflation macht Gold attraktiv

Stand: 17.05.2021 13:45 Uhr

Wenn sich die Anleger vor der Inflation fürchten, gilt Gold meist als sicherer Hafen gegen den Wertverlust des Geldes. Der Kurs steigt auf ein Dreimonatshoch. Aber die positive Tendenz könnte umschlagen.

Gold gilt als Inflationsschutz: Wenn das Geld an Wert verliert, setzen viele Investoren darauf, dass der Wert des Edelmetalls praktisch unvergänglich ist und erhalten bleibt. Hinzu kommt, dass bei steigenden Inflationsrisiken auch die Chancen auf einen steigenden Goldpreis bestehen, weil entsprechend viele Marktteilnehmer sich absichern möchten. Diese Kursgewinne wollen Anleger gerne mitnehmen.

"Investoren sehen Gold als Absicherung gegen Inflation", sagt auch Carlo Alberto De Casa, Chefanalyst des Brokerhauses Activtrades. Heute kletterte Gold auf ein Dreimonatshoch bei 1855 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). So teuer war das Edelmetall zuletzt Mitte Februar dieses Jahres. Hintergrund sind also die derzeit steigenden Inflationserwartungen an den Finanzmärkten.   

Die Urangst der Deutschen?

Im Wesentlichen gibt es zwei Faktoren, die aktuell die Inflation antreiben. Zum einen ist es die anhaltende Flut billigen Geldes, mit der Notenbanken und Regierungen die Finanzmärkte versorgen. Zum anderen sind es die aufgrund der konjunkturellen Erholung kräftig steigenden Rohstoff- und Ölpreise, die die Teuerung verstärken.

In Deutschland kletterte die Inflation zuletzt auf zwei Prozent. EZB-Direktorin Isabel Schnabel geht davon aus, dass die Rate in Deutschland sogar bald drei Prozent übersteigen könnte. Insbesondere in Deutschland wird die Furcht vor einer Geldentwertung oft als "Urangst" bezeichnet, die auf die Erfahrungen der 1920er-Jahre zurückgeführt wird. In den USA stieg die Inflationsrate zuletzt auf 4,2 Prozent. So hoch waren dort die Verbraucherpreise zuletzt vor 13 Jahren gestiegen.  

Absicherung in unsicheren Zeiten

Da die US-Notenbank Fed nach wie vor signalisiert, nicht mit Zinserhöhungen auf den Preisschub geldpolitisch zu reagieren, bleiben derzeit die Anleger beim Gold als klassischer Inflationsabsicherung.

Hinzu kommen Ungewissheiten in der Corona-Krise. Zwar hat sich die Lage in den USA und Europa spürbar entspannt. In Teilen Asiens jedoch gibt es gegensätzliche Entwicklungen. Mit regionalen Corona-Ausbrüchen haben etwa Singapur und Taiwan zu kämpfen. Gold gilt vielen Anlegern auch als Absicherung in ungewissen Zeiten und als Schutz vor Risiken.

Tendenz steigend

Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, rechnet zumindest in naher Zukunft mit einer Fortsetzung des Goldpreisanstiegs: "Dabei spielt sicherlich auch eine Rolle, dass die US-Inflationsrate mit 4,2 Prozent deutlich höher liegt als vor zwei Monaten und als die Anleiherenditen, die Realzinsen also stark negativ sind."

Anders ausgedrückt lohnt es sich in einem solchen Fall eher, auf tendenziell steigende Goldnotierungen zu setzen, weil Goldanleger zwar keine Zinsen erhalten, aber Anleihen keine Alternativen sind.

Inflation nur Momentaufnahme

Allerdings sind viele Experten davon überzeugt, dass die steigenden Inflationsraten nur eine Momentaufnahme sind. Die Fed hat wiederholt erklärt, sie erwarte lediglich einen vorübergehenden Anstieg der Teuerung. Die US-Regierung ist ebenfalls dieser Ansicht: "Ich gehe fest davon aus, dass sich das in den kommenden Monaten von selbst erledigen wird", sagte die Wirtschaftsberaterin von Präsident Joe Biden, Cecilia Rouse.

Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck meint, die Inflation in den westlichen Industrieländern werde ab Herbst wieder sinken. Die Inflationsangst könnte sich also fast so schnell wieder auflösen, wie sie gekommen ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2021 um 17:24 Uhr.