Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf | dpa

Verbandspräsident Wolf Metallindustrie beklagt Jobverluste

Stand: 17.08.2021 13:27 Uhr

Laut Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf sind seit 2019 mehr als 200.000 Jobs in seiner Branche weggefallen. Aktuell machen vor allem die Lieferengpässe den Betrieben zunehmend zu schaffen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht eine rückläufige Beschäftigung in seinen Betrieben. "Seit der Rezession 2019 sind mehr als 200.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie bereits verloren gegangen", sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch in diesem Jahr setze sich der Rückgang in abgeschwächter Form fort. Als Gründe führt Wolf die Corona-Pandemie und den Wandel zu mehr Klimaschutz an.

Vor allem in der Automobilbranche erwarten viele Experten Jobverluste durch die Umstellung auf Elektromobilität - etwa wenn Zulieferer immer weniger Komponenten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor herstellen. Allerdings gilt die steigende Nachfrage nach grünen Technologien auch als Chance für Beschäftigung in der Industrie.  

        

Materialmangel bremst Produktion

Der Arbeitgeberverband veröffentlichte heute auch die Produktionszahlen des zweiten Quartals. Der Ausstoß sank im Frühjahr um 1,5 Prozent zum Vorquartal. Damit sei die Erholung vorerst ins Stocken geraten. Während die weltweite Nachfrage nach Metall- und Elektroprodukten weiter spürbar zulege, bremsten fehlende Teile und Materialknappheit die Produktion aus, teilte der Verband mit.

"Rund 75 Prozent der M+E-Unternehmen gaben im Juli an, durch Materialknappheit in der Produktion behindert zu werden", so Gesamtmetall-Chefvolkswirt Michael Stahl. Der Produktionsrückgang treffe vor allem den Fahrzeugbau mit minus 9,5 Prozent. Auch im Maschinenbau sei die Produktion mit minus 1,3 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals geblieben.

"Wir gehen davon aus, dass die Materialknappheit und damit die Produktionsbehinderungen noch bis ins zweite Halbjahr hineinreichen werden", sagte Stahl.

"Klimaneutral bis 2050"

Gesamtmetall-Präsident Wolf äußerte sich im Gespräch mit den Funke-Medien auch zur Flutkatastrophe in Deutschland und den Waldbränden in Südeuropa. "Wer jetzt noch glaubt, dass es keinen Klimawandel gibt, der ist nicht von dieser Welt", sagte Wolf. Bis die Metall- und Elektroindustrie klimaneutral sei, werde es aber noch dauern. "Zwischen 2040 und 2050 können wir klimaneutral werden. Einen früheren Zeitpunkt halte ich nicht für realistisch."

Von einem Verbrennerverbot ab 2030 hält der Gesamtmetall-Präsident nichts: "Wir in Deutschland müssen umweltfreundliche Technologien entwickeln, die wir in Länder mit einem viel höheren CO2-Ausstoß exportieren können. Wenn wir noch 20 Jahre gutes Geld mit dem Verbrennungsmotor verdienen können und dieses Geld in die Forschung und Entwicklung in umweltfreundliche Technologien investieren, dann kommen wir weiter als mit Verboten."

Rente mit 70?

Der Verbands-Präsident sprach sich für eine offene Debatte über eine längere Lebensarbeitszeit aus. "Wir müssen zu den Menschen ehrlich sein: Wir werden das Renteneintrittsalter nicht bei 67 Jahren halten können." In den nächsten Jahren werde man über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen. Wolf warnte vor einem Finanzierungsproblem bei den Rentenkassen.

Die Diskussion wird bereits seit einigen Wochen in der Öffentlichkeit geführt. Experten, die das Wirtschaftsministerium beraten, hatten in einem Gutachten eine Anhebung auf 68 Jahre vorgeschlagen. Derzeit gilt ein stufenweiser Anstieg des Eintrittsalters auf 67. Hintergrund der Debatte ist die Alterung der Gesellschaft: Bei der Rente stehen auf Dauer zu viele Empfänger zu wenigen Beitragszahlern gegenüber.