Gasflamme | dpa

Streit über Ostseepipeline Gaspreise wieder auf Rekordniveau

Stand: 13.12.2021 18:48 Uhr

Nach den jüngsten Äußerungen von Bundesaußenministerin Baerbock über die Pipeline Nord Stream 2 sind die europäischen Gaspreise wieder deutlich gestiegen. Und die Speicher sind weiterhin kaum gefüllt.

Die Gaspreise sind auf ein neues Rekordhoch geklettert. Terminkontrakte für den 14. Dezember erreichten am Nachmittag einen Rekordwert von 118 Euro pro Megawattstunde (MWh). Das sind gut zehn Prozent mehr als am Freitag. Im Oktober waren die Preise schon einmal in die Höhe geschnellt. Damals wurden 117,50 Euro pro MWh verlangt.

Als Grund für den neuerlichen Anstieg nannten Branchenbeobachter die Aussagen von Außenministerin Annalena Baerbock vom Sonntagabend. Im ZDF-"heute journal" hatte sich die Grünen-Politikerin gegen eine rasche Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 ausgesprochen. Sie betonte, dass die Röhre "die Vorgaben des europäischen Energierechts nicht erfüllt und die Sicherheitsfragen ohnehin noch im Raum stehen".

Zulassung ist ausgesetzt

Über die Aussetzung des Zulassungsverfahrens hatte die Bundesnetzagentur bereits Mitte November informiert. Die Behörde fordert, dass der Betreiber - der staatliche russische Gazprom-Konzern - nach deutschem Recht organisiert sein muss. Ob die Pipeline auch europäisches Recht erfüllt, will die EU-Kommission prüfen, wenn das Verfahren in Deutschland abgeschlossen ist.

Dass die Preise nun wieder erneut in die Höhe schießen, erklären Experten aber auch mit den zunehmenden Spannungen an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine, wo Russland 100.000 Soldaten stationiert hat - offiziell zu einer militärischen Übung. Auch wiederholten zuletzt die US-Regierung sowie die polnische Regierung ihre Ablehnung der neuen Pipeline.

Gazprom-Speicher besonders wenig befüllt

Zudem verunsichern Meldungen, dass die deutschen Speicherfüllstände immer noch sehr niedrig sind - insbesondere bei jenen Speichern, die Gazprom gehören oder an denen Gazprom beteiligt ist. Das liege allerdings nicht allein an machtpolitischen Erwägungen des Kreml-nahen Konzerns, heißt es aus Branchenkreisen. So seien die Füllstände nach dem kalten Winter 2020/2021 niedrig gewesen, die europäischen Händler hätten aber im Sommer angesichts der gestiegenen Gaspreise nur zurückhaltend Vorräte angelegt, weil sie auf zusätzliche Gasflüsse durch die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 spekulierten.

Diese zögerliche Haltung mache sich nun bemerkbar. Sorgen bereiten allerdings Angaben aus der Ukraine, wonach die russische Seite bis heute die Transitkapazitäten durch das verfeindete Land nicht in vollem Umfang nutzt. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Experten erwarten, dass sich eine Genehmigung von Nord Stream 2 bis in den Sommer kommenden Jahres hinein verzögern könnte - oder aus politischen Gründen gar nicht zustande kommt.

Österreich fordert rasche Inbetriebnahme

Derweil hat der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg beim Rat der europäischen Außenminister eine schnelle Inbetriebnahme der umstrittenen Pipeline gefordert. Das Projekt sei "fertig gestellt, jetzt sollten wir es auch verwenden", sagte Schallenberg am Montag in Brüssel.

Der Politiker widersprach damit Bundesaußenministerin Baerbock, die erstmals an den Brüsseler Beratungen teilnahm. Schallenberg betonte mit Blick auf die jüngsten Spannungen mit Moskau im Ukraine-Konflikt, er halte es für "verfehlt", die Pipeline immer wieder in Frage zu stellen, wenn eine Diskussion mit Russland aufkomme. Wie Deutschland bezieht auch Österreich Erdgas aus Russland. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Dezember 2021 um 13:05 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 13.12.2021 • 21:50 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation