Robert Habeck | picture alliance/dpa

Konjunkturprognose Ukraine-Krieg dämpft Wirtschaftswachstum

Stand: 27.04.2022 14:52 Uhr

Die Bundesregierung sieht angesichts der Folgen des Kriegs in der Ukraine deutliche Risiken für die deutsche Konjunktur. Sie rechnet für das laufende Jahr mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum.

Die Bundesregierung rechnet wegen des Kriegs in der Ukraine mit spürbaren Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Das Wachstum werde 2022 nur noch 2,2 Prozent betragen, teilte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) heute bei der Vorstellung der Frühjahrsprojektion mit. Das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Januar im Jahreswirtschaftsbericht angenommen. Für 2023 rechnet die Regierung nun mit einem Wachstum von 2,5 Prozent.

"Die Risiken für die Konjunktur sind deutlich", sagte Wirtschaftsminister Habeck: "Nach zwei Jahren Corona-Pandemie kommt durch den Krieg Russlands eine neue Belastung hinzu. Der Krieg gegen die Ukraine und seine wirtschaftlichen Auswirkungen erinnern uns daran, dass wir verwundbar sind."

Der Bundeswirtschaftsminister betonte, dass die neue Prognose ohne Berücksichtigung eines möglicherweise kommenden Energieembargos berechnet wurde. Sollte die EU einen Importstopp auf russische Energie verhängen, dürfte das die Wirtschaftsleistung deutlich treffen. Gleichzeitig betonte Habeck aber auch, dass man bei der Unabhängigkeit von russischer Energie große Fortschritte mache: Habe Deutschland vor Beginn des Krieges noch mehr als 50 Prozent der Gaslieferungen aus Russland bezogen, sei dies bereits auf 35 Prozent gesunken.

Stopp russischer Energielieferungen wäre spürbar

Deutschland werde sich Schritt für Schritt aus der Klammer russischer Energie-Importe lösen. Allerdings, so Habeck, wäre ein Stopp der Energielieferungen durchaus spürbar und würde die ohnehin schon hohen Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen. "Zugleich tut die Bundesregierung alles, um die Substanz unserer Wirtschaft auch in schwerer Zeit zu erhalten mit einem zielgerichteten Schutzschild für unsere Unternehmen, welches wir jetzt zügig umsetzen", erklärte Habeck weiter.

Die Bundesregierung rechnet für 2022 mit einer Inflationsrate von 6,1 Prozent. "Solche Raten wurden bislang nur zu Zeiten der Öl-Krise oder kurz nach der Wiedervereinigung beobachtet", so das Wirtschaftsministerium. Für 2023 geht die Regierung von einer Teuerung von 2,8 Prozent aus. Die Schätzung von Ende Januar für 2022 wurde damit um satte 2,8 Prozentpunkte erhöht, die Prognose für 2023 noch um 0,8 Punkte angehoben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. April 2022 um 14:00 Uhr.