Federal Reserve Bank, Washington, USA

Der Ton wird schärfer Fed sieht zwei Zinserhöhungen 2023

Stand: 16.06.2021 20:59 Uhr

Wie erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins unverändert gelassen. Ewig wird die lockere Geldpolitik aber nicht weiter gehen. Die Aktienmärkte geben nach, auch der Euro verliert.

Trotz abflauender Corona-Pandemie sowie steigender Inflationsraten hält die US-Notenbank ihren Leitzins weiter in einer Bandbreite zwischen 0,00 und 0,25 Prozent. Auch die monatlichen Anleihekäufe von 120 Milliarden Dollar sollen zunächst weitergehen. Zumindest so lange, bis Fortschritte bei der Erreichung der Ziele der Bank gemacht werden. Das sind insbesondere "erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung". Dies erklärten die Währungshüter nach ihrer zweitägigen routinemäßigen Zinssitzung in Washington. Laut Fed-Chef Jerome Powell ist die Fed hier noch lange nicht am Ziel: "Aber wir machen gute Fortschritte."

Für die zuletzt stärker gestiegenen Inflationsdaten macht die Bank weiterhin vorübergehende Faktoren verantwortlich. Zugleich erwartet sie, dass die Inflation dieses Jahr auf einen Wert von 3,4 Prozent steigen und 2022 auf 2,2 Prozent absinken wird. Konstatiert wird zudem eine verstärkte wirtschaftliche Aktivität und Beschäftigung.

Powell erklärte, die Diskussion über ein Zurückfahren der extrem lockeren Geldpolitik habe begonnen. Dabei geht es darum, wann sie die regelmäßigen Anleihekäufe reduzieren wird. Konkret wurde Powell jedoch nicht. Sinngemäß sagte der Fed-Chef, wenn man so wolle, habe man darüber gesprochen, dass man über die Thematik sprechen wolle. Mit derart vorsichtigen Formulierungen dürfte Powell versuchen, panikartige Reaktionen an den Finanzmärkten zu vermeiden.

Zwei Zinserhöhungen im Jahr 2023 ins Auge gefasst

Erstmals seit Ausbruch der Pandemie signalisierten die Währungshüter aber, dass es im Jahr 2023 zwei Zinsanhebungen um je einen halben Prozentpunkt geben könnte. Bisher sah die Zinsprojektion der Fed eine unveränderte Geldpolitik mit einem Leitzins nahe der Nulllinie vor. Immerhin sieben Währungshüter sind mittlerweile sogar der Ansicht, dass eine Straffung schon nächstes Jahr kommen könnte.

Nicht nur die Zinsprognose wurde angehoben, auch die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation fallen teilweise höher aus. So rechnet die Fed für dieses Jahr mit einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum um 7,0 Prozent anstatt der bisher erwarteten 6,5 Prozent.

Aktienkurse geben nach

Die Wall Street reagiert mit Kursverlusten, alle führenden Aktienindizes geben in einer ersten Reaktion nach. Der Leitindex Dow Jones verliert rund ein Prozent, die anderen Indizes liegen leicht darunter. Auch am Rentenmarkt sinken die Kurse, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen legt auf 1,56 Prozent zu.

Der Euro büßt gegen den Dollar deutlich ein und wird aktuell bei 1,2026 Dollar gehandelt, rund ein Cent weniger als im heutigen Handelsverlauf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2021 um 21:00 Uhr.