Kräne der Hamburger Hafen und Logistik AG und Container stehen im Hamburger Hafen.  | dpa

Größtes Plus seit Juli 2020 Deutsche Exporte legen kräftig zu

Stand: 09.12.2021 10:48 Uhr

Der deutsche Außenhandel zieht trotz der gestörten Lieferketten und trotz der Materialengpässe wieder an. Im Oktober stiegen die Ausfuhren so stark wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. 

Die deutschen Exporte sind im Oktober kräftig gewachsen und stiegen gegenüber September kalender- und saisonbereinigt um 4,1 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist das größte Plus seit Juli 2020. Der Anstieg fällt unerwartet stark aus. Zuvor waren die Ausfuhren zwei Monate in Folge um jeweils knapp ein Prozent geschrumpft.

Auch Importe wachsen

Insgesamt verkauften die deutschen Unternehmen im Oktober Waren im Wert von 121,3 Milliarden Euro ins Ausland. Verglichen mit Oktober 2020 ist das eine Zunahme von 8,1 Prozent. Dabei wuchsen die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA um 11,4 Prozent auf 11,0 Milliarden Euro, während die nach China um 8,5 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zunahmen. Das Auslandsgeschäft mit den EU-Ländern legte um 11,6 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro zu.

Die Importe legten im Oktober bereits den dritten Monat in Folge zu, und zwar um unerwartet kräftige 5,0 Prozent. Die Außenhandelsbilanz schloss nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Oktober 2021 mit einem Überschuss von 12,8 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2020 hatte der Saldo der Außenhandelsbilanz 19,7 Milliarden Euro betragen.

Corona bleibt ein Risiko

"Das Exportwachstum hat im Oktober von Schonkost auf Vollkost umgestellt", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Nachholeffekte im Autosektor dürften hierzu maßgeblich beigetragen haben." Die Lieferlogistik und die Pandemie könnten dem Exportsektor aber jederzeit wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Große Sprünge seien daher vorerst wenig wahrscheinlich, meint Krüger.

Der Direktor des IMK-Instituts, Sebastian Dullien, ist der Ansicht, dass der kräftige Anstieg der Exporte und Importe im Oktober die Chancen erhöhe, dass die deutsche Wirtschaft über die Jahreswende einer Mini-Rezession aufgrund der vierten Corona-Welle entgehen könne. "Dabei deuten die Außenhandelszahlen darauf hin, dass sich die Lieferkettenprobleme in der Industrie allmählich entspannen", so Dullien.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum der deutschen Ausfuhren von etwa 7,5 Prozent. 2022 soll es zu einem ähnlich starken Plus von 7,0 Prozent kommen. Im Corona-Jahr 2020 hatte es einen deutlichen Rückgang gegeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.