Röhrensysteme der Anlandestation der Gaspipeline Nord Stream 2 | dpa

Hohe Investitionen Deutschlands teure Gas-Offensive

Stand: 14.02.2022 08:11 Uhr

In neue Gasleitungen und Kraftwerke investiert Deutschland Milliarden. Das hat auch mit dem Kohleausstieg zu tun. Der starke Anstieg der Gaspreise kommt für die Politik zur Unzeit.

Von Verena von Ondarza, NDR

Die Zahlen sind gigantisch: Rund 18,3 Milliarden Euro sind derzeit für den Bau neuer Gas-Kraftwerke, Leitungen oder Flüssiggas-Terminals in Deutschland vorgesehen. Für den Umbau hin zu einer grüneren Wirtschaft sollen je nach Szenario in den kommenden zehn Jahren bis zu 40 neue Gaskraftwerke entstehen. Finanzieren soll die Energiebranche diesen Wandel größtenteils selbst. Es fließen aber auch hohe staatliche Subventionen.

Gaspreise steigen wohl weiter

Die Preisentwicklung auf dem Gasmarkt kommt für die deutsche Politik zur Unzeit. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 ist der Preis für das Heizen mit Gas um rund 100 Prozent gestiegen. Das hat vor allem etwas mit der Entwicklung auf dem Weltmarkt zu tun. Nach Einschätzung vieler Experten könnten die Preise noch weiter steigen. Die künftige Energieversorgung in Deutschland würde dann noch teurer.

Die Gründe für die Preissteigerungen sind vielfältig und verstärken sich teilweise sogar gegenseitig. Zunächst hat die Nachfrage nach Energie weltweit angezogen - ein Nachholeffekt der während der Pandemie zeitweise heruntergefahrenen Produktion. Gleichzeitig wurde weniger Gas gefördert.

Hohe Abhängigkeit von Russland

Auch der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel hat deutlich zugelegt und macht Energie aus Gas, Kohle und Öl deutlich teurer. Und natürlich spielt auch der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eine Rolle.

Zwar betont Russland stets, dass es seine Lieferverpflichtungen erfülle. Das gilt für die langfristigen Lieferverträge, kurzfristig - also auf den Spotmärkten - fließt derzeit aber weniger Gas von Russland nach Westeuropa. Deutschland trifft das besonders hart, denn etwa die Hälfte des hierzulande verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. 

Kohleausstieg als lohnendes Geschäft

Derzeit kann der Umstieg auf Gas für die Energiewirtschaft durchaus lukrativ sein. Denn sie profitiert von einer Sonderregel aus dem deutschen Kohleausstiegsplan. Dieser sieht für Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke, die aus der Kohle aussteigen, den sogenannten Kohleersatzbonus vor.

Mehr als 100 Millionen Euro kann es für ein neues Kraftwerk geben. Nach den Plänen der Vorgängerregierung können Kraftwerke nur über den Kohleersatzbonus mit 1,8 Milliarden Euro im Jahr gefördert werden. Dazu kommt eine lukrative Vergütung für die ersten 30.000 Stunden im Volllastbetrieb. In Summe können daraus nicht nur die Investition, sondern auch Teile des Brennstoffs finanziert werden.

Lecks verschlechtern die Klimabilanz

Der Umstieg von Kohle auf Gas wird auch deshalb gefördert, weil bei der Verbrennung deutlich weniger CO2 entsteht. Allerdings zeigen Studien, dass es entlang der Lieferkette von Erdgas immer wieder zu Leckagen von Methan kommt. Methan ist ein Klimagas und mehr als 80-mal so schädlich wie CO2. Bis es in der Atmosphäre abgebaut wird, vergeht mehr als ein Jahrzehnt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Magazin Plusminus am 9. 2. 2022 um 21:55 Uhr im Ersten.