Bauarbeiter beobachtet auf einer Baustelle den Transport einer Palette durch einen Kran | dpa

Tarifeinigung Mehr Geld für Beschäftigte am Bau

Stand: 15.10.2021 08:46 Uhr

In den Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und der IG Bau knirschte es monatelang gewaltig. Eine Entschädigung für lange Anfahrtswege war ein Streitthema. Jetzt haben sich die Tarifpartner auf einen Kompromiss geeinigt.

Die etwa 890.000 Beschäftigten der deutschen Bauwirtschaft bekommen mehr Geld. Zudem erhalten sie für die Monate Juli bis Oktober 2021 eine Corona-Prämie von 500 Euro im Westen und 220 Euro im Osten. Das teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe mit. Bis zur Einigung brauchten die Tarifparteien fünf Verhandlungs- und zwei Schlichtungsrunden - die erste Tarifrunde war im Mai.

Das Tarifpaket sieht für die Beschäftigten Lohnerhöhungen in drei Schritten vor. So werden zum 1. November 2021 die Einkommen im Westen um zwei Prozent, im Osten um drei Prozent angehoben. Am 1. April 2022 gibt es eine weitere Erhöhung um 2,2 Prozent (Ost: 2,8 Prozent) und am 1. April 2023 um weitere zwei Prozent (Ost: 2,7 Prozent). Zusätzlich erhalten die Beschäftigten im Westen Einmalzahlungen in Höhe von 400 Euro zum 1. April 2022 und 450 Euro zum 1. April 2023. Darüber hinaus wurde eine stufenweise Erhöhung der Ausbildungsvergütungen vereinbart.

Entschädigung für lange Arbeitswege

Die Einigung sieht mit einer pauschalen Regelung auch eine Entschädigung für die oftmals langen Anfahrtswege der Beschäftigten zu ihren Baustellen vor. Die IG Bau hatte die sogenannte Wegezeitenentschädigung zur Bedingung für einen Tarifabschluss gemacht und eine Ausgleichszahlung je nach individuellem Anfahrtsweg gefordert. Die Arbeitgeber wollten darüber zunächst nicht diskutieren.

Zusätzlich wurde den Angaben zufolge in dem neuen Vertrag festgehalten, dass im Jahr 2026 eine 100-prozentige Angleichung der West- und Ost-Einkommen sowie der Ausbildungsvergütungen erreicht sein muss. Jeder Betrieb im Tarifgebiet Ost kann jedoch auch per Haustarifvertrag früher einen Ost-West-Angleich für seine Beschäftigten festlegen.

"Mit diesem Kompromiss können wir leben"

Der IG-BAU-Vorsitzende Robert Feiger sagte: "Unsere Vorstellungen für eine gerechtere Entlohnung der Beschäftigten lagen durchaus höher, aber mit diesem Kompromiss können wir leben." Mithilfe des Schlichters sei "in letzter Minute ein Streik" vorerst abgewendet worden. Nun sei der Weg frei für die immensen Aufgaben, die anstünden: Rund 400.000 Wohnungen müssten pro Jahr in Deutschland entstehen, die Auftragsbücher der Bauunternehmen seien voll.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Uwe Nostitz, sagte: "Wir hatten langwierige und schwierige Verhandlungen mit einer komplizierten und zum Teil auch neuen Materie." Bauindustrie-Vizepräsidentin Jutta Beeke ergänzte: "Es ist uns gelungen, ein umfangreiches Paket zu verhandeln und zu einem Ergebnis zu bringen, welches mit einer langen Laufzeit für Planungssicherheit in den Unternehmen sorgen kann." Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 33 Monaten.

Die Bundestarifkommission der IG BAU muss in den nächsten Tagen endgültig über die Annahme des ausgehandelten Papiers entscheiden. Auch die Gremien der Arbeitgeberverbände müssen sich damit entsprechend befassen. Der vergangene Tarifvertrag war im Juni ausgelaufen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2021 um 04:00 Uhr.