Eine Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen. | dpa

DIW-Konjunkturprognose "Auf Wintertief folgt Sommerhoch"

Stand: 23.02.2022 14:48 Uhr

Trotz der andauernden Corona-Pandemie dürfte sich die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr erholen. Denn die Auftragsbücher der Industrieunternehmen sind voll.

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem "Sommerhoch": Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet ab dem Frühsommer mit einem Aufschwung in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 3,0 und 2023 dann um 2,9 Prozent wachsen. Das geht aus den aktuellen Prognosen des DIW hervor.

"Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft nach wie vor im Griff", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Vorschnell das Ende der Pandemie zu erklären wäre falsch - nichtsdestotrotz wird sich die wirtschaftliche Lage Richtung Frühsommer wohl deutlich verbessern." Die Auftragsbücher vieler Unternehmen seien voll: "Sie stehen schon in den Startlöchern und warten nur darauf, mehr produzieren zu können, wenn entsprechende Lieferketten wieder intakt sind", sagte Fratzscher. Denn auch die Auslandsnachfrage nach Produkten "Made in Germany" dürfte in diesem und im kommenden Jahr wieder steigen, wenn die Pandemie wie angenommen abebbt. 

Erholung ist kein Selbstläufer

Ein Selbstläufer sei das aber angesichts zahlreicher Risiken nicht: "So stellt vor allem der Russland-Ukraine-Konflikt eine Gefahr dar", hieß es in der heute veröffentlichten Prognose. Zudem drohe von Chinas Immobiliensektor eine größere Finanzkrise auszugehen. Auch könne die Corona-Pandemie und die Inflationsrate erneut Probleme bereiten.

Für die Inflationsrate erwartet das DIW in diesem Jahr aufgrund der stark steigenden Energiepreise und Knappheiten bei vielen Gütern eine Steigerung um 3,8 Prozent. Damit würde die Inflation sogar noch höher ausfallen als im vergangenen Jahr, als die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt bei 3,1 Prozent lag. 2023 werde sie möglicherweise wieder deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke liegen.

Zahl der Erwerbstätigen steigt

Der Arbeitsmarkt dürfe allerdings durch die aktuellen wirtschaftlichen Einschränkungen kaum beeinträchtigt werden: "Die aktuellen wirtschaftlichen Einschränkungen beeinträchtigen den Arbeitsmarkt hierzulande kaum", sagte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. Die Zahl der Erwerbstätigen soll in diesem Jahr um voraussichtlich 370.000 steigen, 2023 dann um weitere 280.000. Damit wäre das Vorpandemieniveau dann Ende 2022 wieder erreicht.

Das Institut hält die Prognose dennoch für ungewisser als in normalen Zeiten: "Für die deutsche Wirtschaft kommt es darauf an, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen - das liegt aber nicht allein in unserer Hand", so DIW-Präsident Fratzscher: "Umso wichtiger ist es, die großen Herausforderungen mit Blick auf die Transformation hin zu einer klimagerechten und digitalisierten deutschen Wirtschaft anzugehen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2022 um 12:00 Uhr.