Glasfaserkabel laufen an einem Verteilerpunkt zusammen | picture alliance / Daniel Reinha

Branchenverband Bitkom Digitalwirtschaft wächst wie vor Corona

Stand: 11.01.2022 14:51 Uhr

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur schreitet voran und sorgt für Wachstum und Arbeitsplätze. Davon geht der Branchenverband Bitkom aus. Doch Lieferengpässe und Fachkräftemangel bereitet Sorgen.

In der deutschen Digitalwirtschaft dürften in diesem Jahr fast 40.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Das geht aus der Konjunkturprognose des Dachverbands Bitkom für das begonnene Jahr hervor, die heute vorgestellt wurde. Danach soll der Markt für Informationstechnik (IT), Telekommunikation und Unterhaltungselektronik hierzulande um 3,6 Prozent auf 184,9 Milliarden Euro wachsen. Den Bitkom-Zahlen zufolge stieg im vergangenen Jahr der Umsatz auf dem Digitalmarkt bereits ebenso deutlich: Das Volumen wuchs um 3,9 Prozent auf 178,4 Milliarden Euro. Umsatztreiber waren hier vor allem das gute Geschäft mit IT-Hardware und Software lag.

Die Zuwachsraten haben damit wieder das Niveau vor der Coronakrise erreicht. In der Branche sind laut Bitkom-Chef Achim Berg derzeit 1,25 Millionen Menschen beschäftigt. "Das ist deutlich mehr als in der Automobil-Industrie, die auf etwas mehr als 800.000 Mitarbeiter kommt", so Berg. Die Corona-Krise habe die Branche zwar zunächst stark belastet, sei aber auch eine Chance: "Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung Schwung gegeben, und das belebt den Markt".

"Gehälter schießen durch die Decke"

Das Wachstum könnte allerdings noch höher ausfallen, wenn nicht coronabedingte sowie sektorspezifische Probleme im Weg stünden. Da ist zum einen der Mangel an Fachkräften, den Berg auf über 100.000 Stellen schätzt. Er verschärft sich laut Bitkom-Einschätzung derzeit sogar massiv. Gerade in schnell wachsenden Software-Unternehmen, aber auch in der Breite fehlten Fachkräfte. Die Firmen fänden einfach nicht genügend Mitarbeiter und würden schon Abstriche bei den Anforderungen an die Bewerber machen. Diese wiederum können ihre Ansprüche hochschrauben: "Die Gehälter schießen durch alle Decken durch", sagte Berg.

Zweites Problemfeld der Branche sind Lieferengpässe für Bauteile, insbesondere Halbleiter. Vor allem Chips für einfache Anwendungen fehlten, wie Berg erklärte. So gebe es Anekdoten, nach denen eine Firma bereits zu Hunderten Kühlschränke aufgekauft und die darin enthaltenen Chips ausgebaut und in höherwertige Produkte eingebaut habe.

Deutschland, ein ditigaler Zwerg

Global spielt die deutsche Digitalwirtschaft nur eine marginale Rolle. Deutschlands Anteil an den weltweiten Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik wird für das laufende Jahr auf 3,9 Prozent geschätzt. Der Grund: In vielen anderen Industriestaaten wie den USA, aber auch im asiatischen Raum wachsen die Investitionen in die Digitalisierung schneller.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Januar 2022 um 14:36 Uhr.