Ein Handwerker mit Arbeitshandschuh hält einen Fünf-Euro-Schein und ein paar Münzen in der Hand. | dpa

Folgen der Inflation Deutsche Reallöhne sinken erneut

Stand: 16.02.2022 10:11 Uhr

Zum zweiten Mal in Folge sind die Reallöhne der Beschäftigten in Deutschland im vergangenen Jahr gesunken. Die hohe Inflation zehrte die teils überdurchschnittlichen Zuwächse der Bruttolöhne komplett auf.

Die Reallöhne in Deutschland sind im vergangenen Jahr erneut gesunken. Das Statistische Bundesamt beziffert den Rückgang der Reallöhne durch die hohe Inflation vorläufig auf 0,1 Prozent. Zwar stiegen die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen um rund 3,1 Prozent. Allerdings wurde dies durch den Anstieg der Verbraucherpreise um 3,1 Prozent aufgezehrt.

2020 hatte noch der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit zur negativen Lohnentwicklung beigetragen. Für viele Beschäftigte konnte sie 2021 schließlich aufgehoben werden, weil Corona-Beschränkungen gelockert wurden. Dadurch stieg die Wochenarbeitszeit der Arbeitnehmer im vergangenen Jahr wieder an und normalisierte sich. "Dies führte zu gestiegenen Bruttomonatsverdiensten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, da das Kurzarbeitergeld nicht zum Bruttoverdienst zählt", erklärten die Statistiker. Besonders groß sei dieser Nachholeffekt in Branchen gewesen, die 2020 von den Corona-Einschnitten hart getroffen worden waren.

Noch höhere Inflation erwartet

Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen erneut mit Reallohn-Einbußen, da die Inflation noch stärker ausfallen dürfte als 2021. Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo hatte jüngst seine Inflationsprognose für 2022 von 3,3 auf 4,0 Prozent heraufgesetzt. Das wäre der stärkste Anstieg seit 1993, als die Teuerung 4,5 Prozent betrug. Die ifo-Forscher begründeten ihre Vorhersage mit den hohen Energiepreisen und einer aktuellen Umfrage, wonach immer mehr Unternehmen ihre Preise weiter anheben wollen.

Manche Ökonomen gehen davon aus, dass die Gewerkschaften wegen der höheren Inflation kräftigere Lohnabschlüsse durchsetzen könnten, um Kaufkraftverluste einzudämmen. Stark steigende Personalkosten wiederum könnten Unternehmen dazu veranlassen, ihre Verkaufspreise kräftig anzuheben, um die Gewinnmarge zu halten. Dadurch könnte eine Spirale aus immer weiter steigenden Preisen und Löhnen in Gang gesetzt werden.