Eine Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen. | dpa

Deutsche Konjunktur Industrie drosselt die Maschinen

Stand: 06.05.2022 12:57 Uhr

Der Ukraine-Krieg verschärft Lieferengpässe und Materialmangel. Das hinterlässt immer deutlichere Spuren in der Wirtschaft. Die deutsche Industrie erlebt den stärksten Einbruch seit der Corona-Krise.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine unerwartet stark gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten im März zusammen 3,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Einen stärkeren Rückgang hatte es zuletzt zu Beginn der Corona-Krise im April 2020 gegeben", hieß es dazu. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet, nachdem es im Februar noch zu seinem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gereicht hatte. Der russische Krieg gegen die Ukraine hatte am 24. Februar begonnen.

Baugewerbe wächst gegen den Trend

"Nach zuletzt fünf Anstiegen in Folge hat die Industrieproduktion dadurch einen herben Dämpfer erfahren - vor allem bedingt durch den russischen Krieg in der Ukraine", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Einerseits sei Deutschland als exportorientiertes Land überproportional von den Handelssanktionen gegenüber Russland betroffen. Andererseits seien auch wichtige Waren im Produktionsprozess durch den Krieg in der Ukraine knapp geworden. "So machten fehlende Kabelbäume dem Kfz-Bereich zu schaffen", nannte das Ministerium als Beispiel.

Die Industrie allein drosselte ihren Ausstoß diesmal um 4,6 Prozent, während das Baugewerbe gegen den Trend um 1,1 Prozent wuchs. In der Energie brach die Produktion um 11,4 Prozent ein. "Hier haben die hohen Preise zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage geführt", erklärte das Wirtschaftsministerium.

Weniger neue Aufträge

Die Aussichten sind wegen des anhaltenden Krieges und verschärfter Sanktionen gedämpft. So sammelten die Industrieunternehmen im März vor allem wegen eines schwachen Auslandsgeschäfts 4,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat. Das ist der stärkste Einbruch seit Oktober 2021.

Viele Industriebetriebe berichten derzeit von Engpässen, die sich seit der russischen Invasion teils noch verschärft haben: Drei von vier Firmen klagten im April über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen, wie das ifo-Institut herausfand. Zu schaffen macht der Wirtschaft zudem die Corona-Krise in China, dem wichtigsten Handelspartner. Dort hatte die Staatsführung etwa die Finanzmetropole Shanghai in einen wochenlangen Lockdown geschickt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Mai 2022 um 10:00 Uhr.