Schiffbauer arbeiten im Dock der MV-Werft.  | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Mehr Bestellungen Rekordaufträge für deutsche Industrie

Stand: 06.09.2021 10:46 Uhr

Viele Industriebetriebe in Deutschland können sich vor Aufträgen kaum retten. Im Juli sorgten insbesondere Großbestellungen für einen bisher nicht gesehenen Boom.

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat im Juli neue Aufträge in Rekordhöhe verbucht. Dabei profitierte die Industrie vor allem von sehr großen Einzelaufträgen. Insgesamt gingen 3,4 Prozent mehr Bestellungen ein als im Juli, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

"Der Auftragseingang erreichte damit seinen höchsten Stand seit dem Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991", hieß es dazu. Die Entwicklung überraschte viele Experten - auch angesichts der bestehenden Lieferengpässe. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten für Juli durchschnittlich mit einem Rückgang der Industrieaufträge von 1,0 Prozent gerechnet.

Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Pandemie, liegen die Aufträge nun um fast 16 Prozent höher. Verglichen mit dem deutlich von der Pandemie beeinträchtigten Vorjahresmonat Juli 2020 zogen sie um knapp ein Viertel an.

Treibende Kraft waren Großbestellungen wie aus dem Sektor "sonstiger Fahrzeugbau" und hier insbesondere aus dem Bereich Schiffbau. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen wären die Bestellungen um 0,2 Prozent gefallen. "Damit zeigt sich einmal mehr, dass der Auftragsboom der deutschen Industrie mehr und mehr an Fahrt verliert. Angesichts des inzwischen erreichten Niveaus der Auftragseingänge ist dies kaum verwunderlich", kommentierte die Commerzbank die neuen Zahlen.

Internationale Bestellungen boomen

Besonders stark entwickelte sich der Auftragseingang aus dem Ausland. Hier legten die Bestellungen im Monatsvergleich um 8,0 Prozent zu. Dabei lag der Zuwachs von außerhalb des Euroraums bei fast 16 Prozent.

Auch dieser Bereich profitierte massiv von Großbestellungen. Ohne diese hätte es zwar noch ein leichtes Plus gegeben. "Aber auch hier ist die Aufwärtsbewegung in den vergangenen Monaten praktisch zum Stillstand gekommen, was zu einem beträchtlichen Teil an einer weniger dynamischen Nachfrage aus China liegen dürfte", hieß es von der Commerzbank. Aus dem Inland kamen hingegen 2,5 Prozent weniger Bestellungen.

Experten sind allerdings skeptisch, dass die Unternehmen den enormen Auftragsberg auch rasch abbauen und in eine höhere Produktion umsetzen können. "Alle Welt braucht deutsche Waren, aber Deutschland kann nicht liefern", sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Aufgrund fehlender Materialien und Vorprodukte gibt es erhebliche Schwierigkeiten, die Aufträge abzuarbeiten", meinte auch Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. "Eine rasche Lösung zeichnet sich aber nicht ab."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.