Schild einer geöffneten Gaststätte in Berlin | dpa

Corona-Maßnahmen enden Erst Lockerungen, dann Aufschwung?

Stand: 17.02.2022 17:21 Uhr

Die deutsche Wirtschaft freut sich auf das absehbare Auslaufen der Corona-Maßnahmen. Ökonomen gehen davon aus, dass viele Branchen durchstarten werden.

Von Nicholas Buschschlüter, ARD-Börsenstudio

Für die deutsche Wirtschaft, die unter den Einschränkungen insgesamt erheblich gelitten hat, sind die Öffnungsschritte natürlich gute Nachrichten. Die Konjunktur werde aber nicht schlagartig wieder anspringen, sagt Stefan Kooths, Vizepräsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. "Das, was uns derzeit noch zu schaffen macht, sind ja die Belastungen im Dienstleitungssektor, auch durch Quarantänemaßnahmen", erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. "Kommt es dazu, dass wir in weiteren Teilen der Wirtschaft Arbeitsausfälle zu beklagen haben? All das ist ja nicht abrupt vom Tisch."

Nicholas Buschschlüter

Aufschwung spätestens ab Mitte März?

Sobald die letzten Infektionsschutzmaßnahmen wegfielen, werde die Konjunktur aber durchstarten, da ist sich Kooths sicher. Ein weiterer Grund dafür seien die enormen Geldsummen, die die Privathaushalte während der Pandemie gezwungenermaßen zurückgelegt hätten. Das Institut für Weltwirtschaft spricht von 215 Milliarden Euro aufgestauter Kaufkraft. Doch werden die Deutschen, die ja als Weltmeister im Sparen gelten, wirklich alles davon ausgeben?  

"Wir gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent dessen, was in der Pandemie nicht ausgegeben wurde, nach und nach in den Konsum zurückfließt", prognostiziert Kooths. "Und allein die Normalisierung des Konsumverhaltens wirkt ja stark anregend auf die Konjunktur."

Von der steigenden Kauflaune werde vor allem die Reisebranche und der Gastronomiesektor profitieren, sagt Kapitalmarktexperte Stefan Risse von Acatis Investment. Für einen sogenannten Corona-Gewinner wende sich dagegen gerade das Blatt: "Man hört von den Online-Händlern, die ja einen unglaublichen Boom erlebt haben, dass die Nachfrage doch stark nachgelassen hat", so Risse. "Schon im Weihnachtsgeschäft - vor allem seitdem - ist es ziemlich tot. Die Leute haben sich offenbar an vielen Stellen eingedeckt."

"Wir reden hier nicht von Peanuts"

Das Institut für Weltwirtschaft rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft ihr Vorkrisenniveau im zweiten Quartal wieder erreicht hat - wenn es nicht zu einem erneuten Rückschlag, zum Beispiel durch eine neue Corona-Variante, kommt. Zurück blieben dann erstmal enorme Verluste über zwei Jahre Pandemie. Laut Münchner ifo-Institut hat Corona die deutsche Wirtschaft 330 Milliarden Euro gekostet. Das Institut für Weltwirtschaft geht sogar von 340 Milliarden Euro aus. "Wir reden hier nicht über Peanuts", stellt Vizepräsident Kooths klar. "Das sind zehn Prozent der Wirtschaftsleitung, die wir vor der Pandemie hatten. Das war schon eine erheblicher Schlag ins Kontor."

Ein Schlag, der langfristig auch noch für Privathaushalte schwere Folgen haben könnte. Denn durch die Milliardenhilfen für notleidende Unternehmen und durch das Kurzarbeitergeld hat sich der Staat hoch verschuldet. Und diese Schulden könnten in Form von höheren Steuern oder weniger Leistungen über kurz oder lang wieder bei der Bevölkerung ankommen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Februar 2022 um 17:41 Uhr.