Containerschiffe in der Deutschen Bucht. | picture alliance

Gestörter Warentransport Containerstau in der Nordsee wird länger

Stand: 06.09.2022 16:19 Uhr

Der Stau von Containerschiffen vor wichtigen Häfen stört weltweit die Lieferketten. Für einen besonderen Engpass halten Forscher derzeit die Deutsche Bucht. Knapp zwanzig Frachter warten dort auf Abfertigung.

Die Schlange von Containerschiffen, die in der Deutschen Bucht nicht abgefertigt werden können, wird Experten zufolge länger. Nach Beobachtungen des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW). In der Deutschen Bucht warten demnach aktuell 19 Containerschiffe auf Löschung ihrer Waren, zwei mehr als noch vor zwei Wochen. Erstmals schätzten die Forscher den Stau in der Nordsee als den "gravierendsten" weltweit ein.

Elf Prozent der Waren im Stau

Nach IfW-Berechnungen stecken derzeit weltweit rund elf Prozent aller verschifften Waren in Staus vor wichtigen Containerhäfen fest. "Die Staus in der Containerschifffahrt verfestigen sich auf hohem Niveau", schreibt der IfW-Ökonom Vincent Stamer in einer aktuellen Studie. Damit stünden zwei Prozent der globalen Frachtkapazität still.

Auch vor den US-Bundesstaaten South Carolina und Georgia werden die Warteschlangen derzeit länger. Dort liegt der wichtige Containerhafen Savannah. Im Roten Meer, der wichtigsten Seehandelsroute zwischen Europa und Asien, werden den Angaben zufolge aktuell 16 Prozent weniger Waren verschifft als unter normalen Umständen zu erwarten wäre. Dagegen seien die Staus vor Chinas Häfen "zyklisch bedingt rückläufig", so Stamer.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie von zweieinhalb Jahren sehen die Experten den weltweiten Containerumschlag "aus dem Takt". Störungen wie die Lockdowns in China oder Arbeitskämpfe in Großbritannien verhindern immer wieder, dass sich die Containerschifffahrt normalisiert. Da aber rund 90 Prozent des globalen Warenverkehrs per Schiff transportiert werden, ist die Bedeutung für den Welthandel und die globale Konjunktur immens.

Handel wächst leicht, Deutschland hinkt hinterher

Die Frachtraten - also die Preise für den Transport - bleiben entsprechend hoch und verteuern den Warenhandel. Zwar seien die Frachtraten im Seehandel von Asien nach Nordeuropa seit Jahresbeginn gefallen, "die Staus verhindern jedoch eine Rückkehr zu Werten vor der Pandemie", so die Studie.

Während der globale Handel trotz der Containerstaus im August gemessen gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent wachsen dürfte, wird für Deutschland aktuell ein Rückgang erwartet. Die Importe werden nach aktuellen Schätzungen um 0,2 Prozent zurückgehen, die Exporte dürften um 0,7 Prozent sinken. Die Nachfrage der beiden wichtigsten Handelspartner Deutschlands, USA und China, ist gesunken.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. August 2022 um 12:20 Uhr.