Arbeiter in einer Maschinenfabrik in Peking | AFP

Starkes Plus auf Jahressicht Chinas Wachstum verliert an Schwung

Stand: 17.01.2022 08:25 Uhr

Die chinesische Wirtschaft ist dank eines starken ersten Quartals im vergangenen Jahr kräftiger gewachsen als erwartet. Aber zuletzt gab es - auch pandemiebedingt - deutliche Anzeichen von Schwäche.

Chinas Wirtschaft ist im abgelaufenen Jahr nach offiziellen Angaben um 8,1 Prozent gewachsen, wie das Pekinger Statistikamt mitteilte. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts fiel damit etwas besser aus, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Allerdings schwächte sich das Wachstum im vierten Quartal deutlich ab.

Im Vorjahresvergleich legte die zweitgrößte Volkswirtschaft den Angaben zufolge zwischen Oktober und Dezember um vier Prozent zu. Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch bei 4,9 Prozent gelegen - nach einem Rekordzuwachs von 18,3 Prozent im ersten und 7,9 Prozent im zweiten Quartal.

Dreifacher Druck auf Binnenwirtschaft"

Der Sprecher der Statistikbehörde, Ning Jizhe, warnte, dass "die Binnenwirtschaft unter dem dreifachen Druck eines Nachfragerückgangs, eines Angebotsschocks und schwächerer Erwartungen steht". Auch Ökonomen erwarten im laufenden Jahr deutlich weniger Wachstumsschwung.

Das starke Plus auf Jahressicht, der beste Wert seit 2012, erklärt sich vor allem mit der niedrigen Vergleichsbasis durch die Pandemie im Vorjahr. Mit einer Null-Covid-Strategie, Massentests, Quarantänen und Einreisebeschränkungen hatte das bevölkerungsreichste Land der Welt das Virus schneller in den Griff bekommen als die meisten anderen Staaten.

Große Gefahr durch Omikron?

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr dürfte der weitere Verlauf der Pandemie werden. Während Länder in aller Welt damit begonnen haben, mit dem Coronavirus zu leben, setzt Peking trotz einer vergleichsweise geringen Anzahl an Fällen weiter auf Abschottung. Vor allem die Verbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante bereitet der Regierung Sorgen. Die Variante war nach offiziellen Angaben vorvergangene Woche erstmals lokal übertragen worden.

Experten fürchten, dass es für Chinas wirtschaftliche Entwicklung schwerwiegende Folgen haben könnte, falls es wegen der Omikron-Variante landesweit in vielen Regionen zu Lockdowns kommt, die Lieferketten unterbrechen und Fabriken lahmlegen würden.

Sorgen am Immobilienmarkt

Zuletzt waren es vor allem die starken Exporte, die Chinas Wachstum stützten. Doch der Außenhandel kann auf Dauer andere Probleme nicht alleine ausgleichen: Der Immobilienmarkt hat sich, getrieben von Unsicherheiten wie der Krise um den mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar hoch verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande, abgekühlt. Die Regierung arbeitet weiter daran, die hohe Verschuldung von Unternehmen zu reduzieren. Auch gestiegene Rohstoffkosten und Stromausfälle wegen Energieknappheit wirkten sich zuletzt negativ auf die Konjunktur aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2022 um 07:00 Uhr.