Ein Hafen in China | AFP

Starke Konjunkturdaten China-Boom auf Kosten der Umwelt?

Stand: 07.05.2021 09:46 Uhr

Der chinesische Außenhandel übertrifft mit seinen Wachstumszahlen erneut die Prognosen der Experten. Ohne Chinas Wirtschaft würde die Weltkonjunktur leiden, doch für den Boom bezahlt die Umwelt einen hohen Preis.  

Auch im April zeigt sich der chinesische Außenhandel von seiner starken Seite: Die Exporte stiegen in US-Dollar berechnet um 32,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie der Zoll in Peking berichtet. Das ist überraschend, denn Ökonomen hatten eine leichte Abschwächung im Exportwachstum erwartet.

Stark legten auch die Importe zu mit einem Plus von 43,1 Prozent. Der Außenhandel insgesamt verbuchte im April einen Zuwachs um 37 Prozent. Der chinesische Handelsüberschuss erreichte im April knapp 43 Milliarden US-Dollar. Im Vormonat März waren es noch 13,8 Milliarden gewesen.

Wachstumslokomotive China

Angesichts der starken Wachstumsdaten gilt es aber zu berücksichtigen, dass die Vergleichsbasis im Vorjahr aufgrund der Corona-Krise ausgesprochen niedrig war. Und hinter dem Anstieg der Importe sahen Experten jetzt auch gestiegene Rohstoffpreise, die Erholung der heimischen Nachfrage und eine stärkere chinesische Währung.

Wie sehr Deutschland von Chinas Stärke profitiert, zeigt ein Blick auf die Einzelheiten der Konjunkturdaten: Die chinesischen Importe aus Deutschland legten im April um 37,6 Prozent zu. Chinas Ausfuhren nach Deutschland kletterten hingegen nur um 25,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die chinesischen Exporte in die Europäischen Union stiegen um 23,8 Prozent, während die Importe aus der EU sogar um 43,3 Prozent zulegten.

China einsame Spitze bei CO2-Emissionen  

Aus ökonomischer Perspektive mögen die nackten Wachstumszahlen erfreulich sein, aber die boomende chinesische Industrie hat auch eine gravierende Schattenseite. Einer aktuellen Studie der US-Denkfabrik Rhodium Group zufolge übersteigt Chinas jährlicher Ausstoß von Treibhausgasen erstmals die Emissionen aller entwickelten Länder zusammen.

Im Vergleich mit den EU-Ländern, den USA und den anderen Mitglieder der Industrieländerorganisation OECD schätzt Rhodium Group zudem, dass das China 2019 allein zu 27 Prozent an den weltweiten Emissionen an CO2-Äquivalenten beigetragen habe. Auf dem zweiten Platz liegen die USA mit elf Prozent. Der Studie zufolge belegt Indien mit 6,6 Prozent den dritten Platz.

CO2-Äquivalente sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase, die nicht in gleichem Maße zum Treibhauseffekt beitragen und über unterschiedlich lange Zeiträume in der Atmosphäre bleiben.

China will gegensteuern

Weltweit kletterte der Ausstoß 2019 den Berechnungen zufolge auf 52 Tonnen CO2-Äquivalente - ein Zuwachs um 11,4 Prozent über das vergangene Jahrzehnt. Mit seinen rund 1,4 Milliarden Menschen erreichen Chinas Emissionen pro Kopf gerechnet 10,1 Tonnen und liegen damit aber unter dem OECD-Niveau von 10,5 Tonnen. Das ist übrigens deutlich niedriger als in den USA, die Emissionen von 17,6 Tonnen pro Kopf erreichen.

Das starke Wachstum und der hohe Anteil der Kohle an Chinas Energiemix gelten als wesentliche Ursachen für den Anstieg des Kohlendioxid-Ausstoßes. Als größter Kohleverbraucher der Welt hat China aber neue Anstrengungen im Klimaschutz versprochen.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping wiederholte seine Zusage, dass China den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen vor 2030 anstrebe und Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen wolle. Das bedeutet, dass kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Mai 2021 um 10:15 Uhr und der ARD-Weltspiegel am 18. Oktober 2020 um 19:20 Uhr.