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Wirtschaftswachstum Bundesbank erwartet starken Aufschwung

Stand: 11.06.2021 12:33 Uhr

Die Ökonomen der Bundesbank haben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr kräftig angehoben. Schon im Sommer könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland demnach wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Nach Einschätzung der Bundesbank steht Deutschland am Beginn eines kraftvollen Konjunkturaufschwungs. Die Fachleute erhöhten ihre Konjunkturprognose von 3,0 Prozent im Dezember 2020 auf 3,7 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft überwindet die pandemiebedingte Krise", so Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. "Schon in diesem Sommer könnte die Wirtschaftsleistung wieder das Vorkrisenniveau erreichen."

Die Bundesbank geht in ihrer aktuellen Prognose davon aus, dass die Pandemie, insbesondere durch eine erfolgreiche Impfkampagne, rasch und nachhaltig zurückgedrängt wird und die Schutzmaßnahmen zügig zurückgefahren werden können.

Gewisse Unsicherheit bleibt

Den Ökonomen zufolge sorgt das für starke Aufholeffekte vor allem in den zuvor besonders beeinträchtigten Dienstleistungsbereichen und beim privaten Konsum. Ferner werde der Aufschwung von den Exporten angetrieben, die von der nur allmählich nachlassenden Erholung des Welthandels profitierten. Allerdings seien der Fortgang der Pandemie und ihre gesamtwirtschaftlichen Folgen weiterhin schwer einzuschätzen.

Sollte das Virus auf eine Weise mutieren, welche die Wirksamkeit der Impfstoffe substanziell reduziere, könne es im Projektionszeitraum zu größeren Rückschlägen kommen, stellt die Bundesbank fest:  "Diese Gefahr ist umso größer, je länger es dauert, die Pandemie weltweit zu bezwingen."

Auch 2022 dürfte besser werden

Etliche Volkswirte gehen davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr zunehmend erholen wird, auch dank weiterhin fließender staatlicher Hilfsmilliarden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erwartet nach jüngsten Angaben in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von bis zu vier Prozent hierzulande. Deutschland habe die Rezession besser überstanden als von vielen erwartet, so der CDU-Politiker.

Ende Mai hatte auch die staatliche Förderbank KfW ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr von 3,0 auf 3,5 Prozent angehoben. Den KfW-Ökonomen zufolge könnte das Wachstum bei einer schnellen Auflösung der Engpässe im Verarbeitenden Gewerbe auch höher ausfallen.

 

Für 2022 ist die Bundesbank nun ebenfalls deutlich optimistischer als vor sechs Monaten: Statt 4,5 Prozent Wachstum trauen die Ökonomen der Notenbank Europas größer Volkswirtschaft im nächsten Jahr nun ein Plus von 5,2 Prozent zu. Im Jahr 2023 schwächt sich der Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) demnach ab, beträgt aber immer noch 1,7 Prozent.

Inflationsprognose ebenfalls höher

Mit dem stärkeren Wachstum steigen auch die Preise. Die Bundesbank rechnet jetzt für das laufende Jahr mit einer Inflationsrate von 2,6 Prozent statt wie bisher von 1,8 Prozent. "Dabei sind zum Jahresende vorübergehend Inflationsraten um vier Prozent möglich", so Weidmann.

Viele Ökonomen halten den Inflationstrend bislang für eine vorübergehende Entwicklung, die durch Sonderfaktoren befeuert werde. Die in der Corona-Krise für ein halbes Jahr gesenkte Mehrwertsteuer ist seit Januar wieder auf ihrem alten Niveau. Zudem ist seit Anfang 2021 eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2) fällig. Diese Sondereffekte werden nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute im kommenden Jahr auslaufen, sie rechnen dann mit Inflationsraten von 1,8 Prozent.

Die steigende Inflation ist aber ein internationales Phänomen. Aktuellen Daten zufolge kletterte sie in den USA im Mai auf 5,0 Prozent. Die EZB rechnet für den Euroraum mit einer Teuerung von 1,9 Prozent im Jahr 2021.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.