Blick auf die Erdgasempfangsstation der Europäischen Gas-Anbindungsleitung Eugal. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Folgen eines Energieembargos Bundesbank warnt vor Rezession

Stand: 22.04.2022 15:04 Uhr

Eine Eskalation des Ukraine-Kriegs und weitere Sanktionen gegen Russland würden die deutsche Wirtschaft hart treffen. Sollte zudem ein Energieembargo erlassen werden, droht Deutschland eine Rezession.

Eine weitere Zuspitzung des Ukraine-Kriegs und verschärfte Sanktionen gegen Russland würden die deutsche Wirtschaft nach Berechnungen der Bundesbank hart treffen. "Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2021 um knapp zwei Prozent zurückgehen", schreiben die Experten der Zentralbank. Dabei spielt auch die bereits jetzt hohe Inflation eine Rolle, die bei einer Zuspitzung des Krieges noch einmal steigen dürfte. Das geht aus dem heute veröffentlichten Monatsbericht der deutschen Notenbank hervor.

In dem Szenario gehen die Experten der Bundesbank unter anderem davon aus, dass die EU als Reaktion auf eine Eskalation des Ukraine-Kriegs ein Öl- und Gasembargo beschließt. Bei ihren Schätzungen nutzten die Experten Modellrechnungen, um die konjunkturellen Auswirkungen zu erfassen.

BIP-Einbußen von mehr als drei Prozent möglich

Den Ökonomen zufolge würden sich in diesem Jahr die BIP-Einbußen zwischen einem Prozent und 3,25 Prozent bewegen, sollte es tatsächlich zu einem Energieembargo kommen. Im gesamten Euroraum würde die Wirtschaftsleistung im Fall einer Eskalation des Krieges um 1,75 Prozent niedriger ausfallen als in der Prognose der EZB vom März erwartet wurde. Dabei unterstellen sie, dass für russische Gaslieferungen auf kurze Sicht kein Ersatz gefunden wird. In der schärferen Rechenvariante nehmen sie an, dass die Lieferausfälle bei Energie neben den Versorgern auch energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie direkt treffen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein solches Energieembargo bald vereinbart wird? Die EU steckt bei dieser Frage nach Einschätzung des ifo-Instituts in einer Zwickmühle: "Einerseits würde mehr Zeit der EU die Möglichkeit geben, sich besser vorzubereiten, indem sie alternative Energiequellen organisiert, die Nachfrage senkt und auch die Logistik der Energieströme innerhalb der EU und in den einzelnen Ländern optimiert", sagte ifo-Forscherin Karen Pittel. Andererseits sollte ein Ölembargo auch nicht ewig aufgeschoben werden. "Denn mehr Zeit würde es Russland erlauben, andere Abnehmer zu finden, während die Einnahmen aus der EU weiter fließen." Außerdem würden die Anreize in den Staaten der Europäischen Union verringert, sich auf einen Stopp der russischen Energieversorgung vorzubereiten.

Inflation könnte erneut steigen

Bereits jetzt sind die Energiepreise auf einem hohen Niveau - und sie dürften bei einer erneuten Steigerung auch die Inflation weiter antreiben. Käme dann noch ein Embargo hinzu, würde die Teuerung in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte höher ausfallen als 2021, so die Bundesbank-Experten: "Im Folgejahr sind die Auswirkungen noch größer." Selbst 2024 wäre die Inflation noch erhöht - dann allerdings nicht mehr so stark.

"Die Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine auf die deutsche Wirtschaft waren anfänglich wohl begrenzt", teilte die Bundesbank weiter mit. Doch Beeinträchtigungen im Außenhandel und in den Lieferketten, die drastisch gestiegenen Energiepreise und eine erhöhte Unsicherheit belasteten Unternehmen und private Haushalte. Darum gehen die Experten davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn stagniert hat.