Ein Mann mit Mundschutz geht in London an einem Plakat vorbei mit der Aufschrift: This way out of the pandemic - Das ist der Weg heraus aus der Pandemie | REUTERS

Stärkstes Wachstum seit 1941 Britische Wirtschaft erholt sich rasant

Stand: 11.02.2022 13:47 Uhr

Großbritanniens Wirtschaft ist im vergangenen Jahr so stark gewachsen wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. In den kommenden Monaten dürften aber hohe Inflation und teure Energie die Konjunktur bremsen.

Die britische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr so kräftig gewachsen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt legte um 7,5 Prozent zu, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Das ist das kräftigste Plus seit 1941, womit Großbritannien besser abschnitt als die anderen großen Industrienationen. Allerdings war die Wirtschaft des Landes im ersten Pandemie-Jahr 2020 auch um besonders heftig 9,4 Prozent eingebrochen.

Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft verbuchte im vergangenen Jahr ein Plus von 2,8 Prozent, nachdem sie 2020 wegen der Corona-Krise noch um 4,6 Prozent abgestürzt war. Indes hat der EU-Austritt Großbritanniens deutliche Bremsspuren im deutsch-britischen Außenhandel hinterlassen.

Die britische Wirtschaft legte im vierten Quartal um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Damit habe die Wirtschaftsleistung im Dezember ungefähr auf dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020 gelegen, hieß es. Finanzminister Rishi Sunak lobte die Wirtschaft seines Landes als "erstaunlich belastbar". Das liege auch an den von der Regierung ergriffenen Hilfsmaßnahmen.

Weniger Wachstum erwartet

Im laufenden Jahr dürfte sich das Wachstum allerdings deutlich abschwächen. Der Internationale Währungsfonds (IMF) erwartet ein Plus von 4,7 Prozent, 2023 soll es um 2,3 Prozent nach oben gehen. "Die britische Wirtschaft steht vor einem wesentlich schwächeren Jahr 2022, da die lähmende Belastung durch steigende Inflation, teure Energierechnungen und höhere Steuern für Verbraucher und Unternehmen die Aktivität dämpft", sagte Suren Thiru von der britischen Handelskammer.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten über die Marke von sieben Prozent steigen und damit noch weiter über das Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent hinausschießt - zum Missfallen der Bank of England. Diese hatte im Dezember als erste der großen Zentralbanken seit Beginn der Pandemie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Zu Jahresbeginn folgte ein weiterer Schritt auf nun 0,5 Prozent.