Hinter den Baukränen an einer Baustelle scheint die Sonne. | picture-alliance/dpa

Folgen des Materialmangels Experten erwarten noch höhere Baupreise

Stand: 12.01.2022 10:30 Uhr

Der zuletzt starke Anstieg der Baupreise wird sich nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in diesem Jahr fortsetzen. Materialengpässe etwa beim Holz überschatten die geplante Wohnungsbau-Offensive.

Bauen in Deutschland wird immer teurer. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dürfte der andauernde Materialmangel auch in diesem Jahr für steigende Baupreise sorgen, nachdem sich der Wohnungsbau bereits 2021 im zweistelligen Bereich verteuert hat.

Die Engpässe bei Holz und anderen Rohstoffen treffen sowohl die privaten Hausbauer als auch die großen Baugesellschaften, die im Auftrag der Bundesregierung jährlich 400.000 Wohnungen bauen sollen. Dennoch dürfte die Bauwirtschaft auf absehbarer Zeit gute Geschäfte machen. "Entgegen dem allgemeinen Wirtschaftstrend stemmt sich die Baubranche weiterhin erfolgreich gegen die Corona-Krise", so der DIW-Experte Martin Gornig. "Die Umsätze dürften in den kommenden Jahren weiter steigen."

Besonders der Wohnungsneubau wird nach Einschätzung des DIW angesichts anhaltender Nachfrage und niedriger Zinsen auch im laufenden und im kommenden Jahr wohl weiter florieren. Ähnliches gelte für Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und die energetische Sanierung öffentlicher und privater Gebäude. Im Wirtschaftsbau wird nach zwei schwachen Pandemiejahren mit Nachholinvestitionen gerechnet. Wachstumsperspektiven werden auch im Tiefbau gesehen, vor allem dank geplanter Rekordinvestitionen der Deutschen Bahn sowie des Bundes.

Stärkster Anstieg der Großhandelspreise seit 1974

Die große Nachfrage nach Rohstoffen und Vorprodukten hat auch die Großhandelspreise in die Höhe getrieben. Sie sind im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Eine höhere Steigerung als die im Jahresdurchschnitt errechneten 9,8 Prozent gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes binnen Jahresfrist zuletzt 1974 während der ersten Ölkrise mit plus 12,9 Prozent.

Im Großhandel zogen vor allem die Preise für Mineralölerzeugnisse (plus 32 Prozent) sowie Erze und Metalle (plus 44,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr kräftig an. Zudem kommt ein Basiseffekt zum Tragen: Im Krisenjahr 2020 war das Preisniveau für viele Rohstoffe vergleichsweise niedrig, so dass der Unterschied jetzt noch deutlicher ins Gewicht fällt. Von November auf Dezember 2021 zogen die Verkaufspreise im Großhandel nach Angaben der Wiesbadener Behörde nur um 0,2 Prozent an. Sie lagen jedoch um 16,1 Prozent über dem Niveau von Dezember 2020.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2022 um 10:00 Uhr.