Zwei Kräne ragen in den Himmel | dpa

Materialmangel hält an Baupreise schnellen in die Höhe

Stand: 09.07.2021 13:06 Uhr

Die Baupreise in Deutschland klettern immer weiter. Im Mai war die Preissteigerung für den Neubau von Häusern und Wohnungen so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr. Das liegt vor allem am Baustoffmangel.

Bauen wird immer teurer. Inzwischen haben die Preissteigerungen in der Branche langjährige Höchststände erreicht. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai des laufenden Jahres 6,4 Prozent höher als im Mai 2020, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Das war die höchste Steigerungsrate seit Mai 2007. Damals waren die Preise um 7,1 Prozent gestiegen - unter anderem aufgrund der damaligen Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 Prozent auf 19 Prozent.

Materialmangel verteuert Baustoffe

Dieses Mal sind die Gründe anders gelagert. Die weltweit große Nachfrage nach Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffen auf den Weltmärkten treibt die Preise. Zimmer- und Holzbauarbeiten in Deutschland zum Beispiel verteuerten sich überdurchschnittlich, hier lagen die Preise im Mai 2021 um 28,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden, für die besonders viel Stahl in Stahlbeton oder Holz benötigt wird, legten immerhin noch um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu.

Doch auch in anderen Bereichen kletterten die Preise kräftig. Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten kosteten 8,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Klempnerarbeiten 8,1 Prozent mehr und Entwässerungskanalarbeiten 7,8 Prozent mehr. Den größten Anteil an den Rohbauarbeiten machen die Betonarbeiten und Mauerarbeiten aus - hier stiegen die Preise um 6,6 beziehungsweise 4,8 Prozent.

Hinter den deutlich gestiegenen Preise für die Arbeiten im Bausektor verbergen sich in vielen Fälle auch Preissprünge bei den Materialien. Die Erzeugerpreise für Baustoffe wie Holz, Stahl oder Dämmmaterialien lagen im Mai weit über dem Vorjahresniveau. Konstruktionsvollholz verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat 83,3 Prozent, Dachlatten um 45,7 Prozent und Bauholz um 38,4 Prozent. Betonstahl in Stäben kostete im Mai 2021 um 44,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Betonstahlmatten 30,4 Prozent mehr.

Kräftiges Plus auch auf Quartalssicht

Auch im Vergleich zum Februar 2021 - dem vorherigen Berichtsmonat der Statistik - legten die Baupreise nun weiter zu und stiegen um 3,6 Prozent an. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht ihre Erkenntnisse zu den Baupreisen im Gegensatz zu vielen anderen Statistiken nur einmal im Quartal und nicht monatlich.

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe in Deutschland liegen auf Jahressicht bislang trotz der Entwicklung unter Vorjahresniveau: Von Januar bis einschließlich April 2021 blieben die Erlöse nach Angaben des Bundesamtes um 5,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Das Bauhauptgewerbe umfasst die Errichtung von Gebäuden (Hochbau) sowie von Straßen, Bahnstrecken und Leitungen (Tiefbau).

Die hohen Preissteigerungen könnten möglicherweise eine noch junge Technologie anschieben: Häuser aus dem 3D-Drucker. Eine anderes Problem für viele Bauwillige dürfte aber fortbestehen: In den meisten Gegenden in Deutschland bliebt Bauland knapp und teuer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2021 um 10:00 Uhr.