Eine Mitarbeiterin des Batteriezellenherstellers Skeleton Technologies GmbH sitzt in der Produktion von Superkondensatoren an einem Tisch. | picture alliance/dpa

Verarbeitendes Gewerbe Rekord-Auftragsstau der Industrie

Stand: 19.09.2022 11:22 Uhr

Die Auftragsbücher der deutschen Industriefirmen sind im Sommer so gut gefüllt gewesen wie noch nie. Wegen Lieferproblemen und der hohen Energiepreise arbeiten viele Firmen die Bestellungen nur langsam ab.

Trotz drohender Rezession sind die Auftragsbücher der deutschen Industrie im Sommer so voll wie noch nie gewesen. Der Auftragsbestand legte im Juli gegenüber dem Juni weiter um 0,7 Prozent zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Zuwachs gar 12,6 Prozent. Damit erreichte der Bestand an Bestellungen einen neuen Höchststand seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015, wie das Statistische Bundesamt am Morgen bekanntgab.

Anzeichen für leichte Entspannung

Für den wachsenden Auftragsstau des verarbeitenden Gewerbes nennen die Statistiker zwei Gründe: die hohen Energiekosten und die anhaltenden Lieferengpässe. Sie sorgen dafür, dass die Aufträge nur langsam abgearbeitet werden können.

Besonders die Auslandsbestellungen haben sich gestapelt: Die offenen Aufträge erhöhten sich im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent. Die offenen Aufträge aus dem Inland stiegen um 0,3 Prozent. Während bei den Konsumgüter-Herstellern der Auftragsbestand um 0,8 Prozent sank, stieg er bei den Herstellern von Investitionsgütern wie Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge um 0,7 Prozent.

Es gibt aber Anzeichen dafür, dass sich die Lage inzwischen etwas entspannt. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts nahmen die Klagen in der Industrie über fehlende Vorprodukte und Materialien zuletzt merklich ab: Im August berichteten nur noch 62 Prozent der Firmen über Engpässe, im Juli waren es noch mehr als 73 Prozent.

Weniger Neuaufträge

Neubestellungen nahm die deutsche Industrie im Juli indes etwas weniger an. Die neuen Aufträge sanken um 1,1 Prozent. Die Umsätze gingen sogar um 1,8 Prozent zurück. Seit Monaten sei das Auftragsvolumen höher als das Umsatzvolumen, hieß es vom Statistischen Bundesamt.

Die sogenannte Reichweite des Auftragsbestands liegt weiterhin bei acht Monaten. Das heißt: Die Betriebe müssten bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch acht Monate produzieren, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten. Bei den Herstellern von Investitionsgütern ist die Reichweite mit 11,9 Monaten am höchsten.

Verlassen sollte sich die Industrie auf ihre dicken Auftragsbücher allerdings nicht: Ökonomen warnen davor, dass in einer Rezession wegen der Energiekrise bereits erteilte Aufträge auch wieder storniert werden könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. September 2022 um 09:00 Uhr.