Ein Mitarbeiter fertigt Gleichlaufgelenke | dpa

Auftragsbestand im Mai Rekord bei Industrieaufträgen

Stand: 19.07.2022 10:07 Uhr

Auch ohne neue Bestellungen könnte die deutsche Industrie mehr als acht Monate unter Volllast produzieren: Der Auftragsbestand hat im Mai ein Allzeithoch erreicht. Der Materialmangel bremst die Firmen.

Die Auftragsbücher der Unternehmen in der Industrie sind so voll wie noch nie. Zwischen April und Mai stieg der Auftragsbestand kalender- und saisonbereinigt um weitere 0,5 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der Erfassung durch das Statistische Bundesamt im Jahr 2015. Verglichen mit dem Mai 2021 lag die Zuwachsrate bei 16,9 Prozent.

Auch ohne einen einzigen neuen Auftrag bräuchten die die Unternehmen auf Basis des Rekordbestands rechnerisch 8,1 Monate, um alle bestellten Waren zu produzieren und damit die Aufträge abzuarbeiten. Bei Herstellern von Investitionsgütern liegt diese sogenannte Reichweite derzeit sogar bei 11,9 Monaten.

Mehr neue Aufträge als Umsatz

Wie bereits in den vorangegangenen Monaten überstieg im Mai der Wert der neu eingegangenen Aufträge den Umsatz der Industrieunternehmen. "Der Nachfrageüberhang dürfte vor allem auf die anhaltend hohe Knappheit an Vorprodukten zurückzuführen sein", schrieb das Statistische Bundesamt. "Gestörte Lieferketten infolge des Kriegs in der Ukraine und anhaltender Verwerfungen durch die Corona-Krise, wie Schließungen von Häfen in China, führen nach wie vor zu Problemen beim Abarbeiten der Aufträge."

Laut der jüngsten Umfrage des ifo-Instituts rechnet die Mehrzahl der Unternehmen damit, dass der Materialmangel und die Lieferengpässe bis weit ins kommende Jahr anhalten werden. Insgesamt klagten in der Juni-Umfrage im Schnitt aller Industriezweige knapp drei Viertel der befragten Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Lieferung von Vorprodukten und Rohstoffen. In den Schlüsselbranchen Elektroindustrie, Maschinenbau und Autobranche hatten laut der ifo-Umfrage im Juni sogar jeweils an die 90 Prozent der Firmen Lieferprobleme.