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Millionen Kurzarbeiter Arbeitsmarkt im Griff der Corona-Krise

Stand: 12.03.2021 17:27 Uhr

Ein Jahr lang bestimmt die Corona-Krise nun schon, was in Deutschland geht und was nicht. Auch auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt das Spuren. Arbeitsminister Heil und Arbeitsagentur-Chef Scheele zeigen sich trotzdem zufrieden.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Es sind deutliche Worte von Arbeitsminister Hubertus Heil: "Die Zahlen sind gigantisch." Jüngsten Prognosen zufolge waren im Januar rund 2,6 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Der Lockdown hat dazu geführt, dass die Zahlen wieder nach oben gegangen sind. Der Höhepunkt allerdings war vor knapp einem Jahr. Da traf es sogar mehr als sechs Millionen Beschäftigte und damit fast jeden fünften. Und dennoch, sagt Heil, "die Pandemie hat den deutschen Arbeitsmarkt erschüttert. Aber das große Beben ist ausgeblieben."

Kai Clement ARD-Hauptstadtstudio

Kurzarbeit wirkt

Trotz der hohen Zahlen, trotz der immensen Kosten ziehen Heil und Scheele auch eine positve Bilanz. "Wir sehen, dass sich Kurzarbeit nicht in Arbeitslosigkeit niederschlägt, wenn sie ausläuft. Sondern wir sehen, dass die Unternehmen die Arbeitszeit wieder hochfahren", so Agenturchef Scheele.

Deshalb will der Arbeitsminister den erleichterten Zugang zur Kurzarbeit um drei Monate bis Ende Juni verlängern. Das heißt: für die Beantragung reicht es auch weiterhin aus, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten von Arbeitsausfall betroffen sind. Vor Pandemiezeiten galt ein Drittel als Minimum.

Die Ausgaben auch für Kurzarbeit haben die milliardenschwere Rücklage der Bundesagentur für Arbeit aufgezehrt. Und die Kosten steigen weiter - zuletzt um weitere 6,5 Milliarden Euro. Scheele geht davon aus, "dass wir auch dieses Jahr über 50 Milliarden Euro liegen und auch dass das Defizit, dass wir am Ende des Jahres ausweisen, höher die 9,6 Milliarden ausfällt, die wir gesagt haben." Das sei aber durch einen Haushaltsbeschluss des Bundestages gedeckt.

Fokus Ausbildungsmarkt

Die wohl "größte Prüfung", so sieht es Scheele, liege auf dem Ausbildungsmarkt. Eine Prüfung für die sich bewerbenden Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern, eine Prüfung für die Betriebe und die Vermittler. Sie alle kommen in Corona-Zeiten nicht recht zusammen. Und doch soll dieses Jahr eines der Ausbildung werden, verspricht Hubertus Heil.

Dafür will er ein Mittel verstärken, das anfangs kaum bekannt war und nur wenig genutzt wurde: die sogenannte Ausbildungsprämie. Schon jetzt bekommen kleine und mittlere Unternehmen, die trotz Corona die Lehrlingszahl halten oder sogar erhöhen, einmalig 2000 oder 3000 Euro pro Stelle, wenn die Krise sie besonders trifft. "Die Ausbildungsprämien allein werden nicht reichen. Aber sie werden sehr wohl helfen, weil wir sie verdoppeln werden", kündigte Heil an.

Heil spricht von einem "Schutzschirm für die Ausbildung", den das Kabinett voraussichtlich am kommenden Mittwoch beschließen soll.

BA-Chef Scheele macht sich neben den Auszubildenden vor allem um Langzeitarbeitslose Sorgen, denn die seien oft ohne Ausbildung: "Das sind wirklich die Verlierer und Opfer und Leidtragenden dieser Krise." Scheele fordert deshalb, die bislang zweijährige berufliche Umschulung auf drei Jahre zu verlängern. Ein Gesetz, für das der großen Koalition allerdings nicht mehr allzu viel Zeit bleibt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. März 2021 um 17:00 Uhr.