Menschen warten vor einem Arbeitsamt in Spanien. | dpa

EU-Arbeitsmarkt Was hinter der Arbeitslosenquote steckt

Stand: 03.11.2021 16:28 Uhr

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Europäischen Union hat sich im September weiter entspannt, die Quote sank auf 7,4 Prozent. Doch dahinter verbergen sich riesige regionale Unterschiede. Ein Überblick.

Wer in der Tschechischen Republik wohnt und seinen Job verliert, sollte keine große Mühe haben, eine neue Stelle zu finden. Mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent - im September der niedrigste Wert aller EU-Staaten - herrschte in dem Land nahezu Vollbeschäftigung. Ganz anders sieht es in Spanien aus. Dort lag die Arbeitslosenquote Ende September bei 14,6 Prozent, in der südlichen Provinz Andalusien waren es sogar über 20 Prozent - soviel wie sonst nirgends in der EU.

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Lage auf dem europäischen Arbeitsmarkt noch immer ist. Neben Spanien sind auch die Arbeitslosenquoten in Griechenland mit 13,3 Prozent, Italien mit 9,2 Prozent und Schweden mit 8,8 Prozent überdurchschnittlich hoch. Deutschland mit 3,4 Prozent gehört zusammen mit den Niederlanden, Polen und Ungarn zu den EU-Staaten mit dem niedrigsten Anteil gemeldeter Arbeitsloser. Hinzu kommt ein breites Mittelfeld, das von Dänemark (4,6 Prozent) bis Frankreich (7,7 Prozent ) reicht.

Arbeitslosigkeit in ausgewählten EU-Staaten und den USA
Pl. Land Arbeitslosenquote im September 2021
1. Tschechien 2,6 Prozent
2. Niederlande 3,1 Prozent
3. Malta 3,2 Prozent
4. Deutschland 3,4 Prozent
Polen 3,4 Prozent
6. Ungarn 3,6 Prozent
Zypern 3,6 Prozent
8. Slowenien 3,9 Prozent
9. Dänemark 4,6 Prozent
10. Rumänien 5,0 Prozent
11. Österreich 5,2 Prozent
12. Luxemburg 5,4 Prozent
13. Bulgarien 5,5 Prozent
14. Estland 5,9 Prozent
15. Belgien 6,3 Prozent
Slowakei 6,3 Prozent
17. Irland 6,4 Prozent
Portugal 6,4 Prozent
19. Litauen 6,7 Prozent
20. Lettland 6,8 Prozent
21. Kroatien 7,3 Prozent
22. Frankreich 7,7 Prozent
23. Finnland 7,9 Prozent
24. Schweden 8,8 Prozent
25. Italien 9,2 Prozent
26. Griechenland 13,3 Prozent
27. Spanien 14,6 Prozent
EU 6,7 Prozent
USA 4,8 Prozent

Die Schwaben liegen ganz vorn

Auch innerhalb der Staaten selbst gibt es große Unterschiede. So liegt die Arbeitslosenquote in der Region Bozen in Südtirol bei 3,8 Prozent, im südlichen Kalabrien sind es dagegen 20,1 Prozent. Auch innerhalb Deutschlands schwankt die Rate zwischen 2,5 Prozent in Schwaben und 6,1 Prozent in Berlin.

Den meisten Staaten gemeinsam ist jedoch, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu dem von der Pandemie gezeichneten Monat September 2020 gesunken ist. Im September lag die Quote in den 27 Mitgliedsländern der Europäischen Union bei durchschnittlich 6,7 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Demnach waren knapp 14,3 Millionen Menschen in der EU arbeitslos, 12,08 Millionen in der Eurozone. Im September 2020 hatte die Quote noch bei 7,7 Prozent gelegen. In der Eurozone sank die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte auf 7,4 Prozent. Gegenüber September 2020 ging die Quote um 1,2 Punkte zurück.

Dramatisch hohe Jugendarbeitslosigkeit

Unverändert hoch ist jedoch die Erwerbslosenquote bei den unter 25-Jährigen. Sie liegt EU-weit im September bei 15,9 Prozent, nach 18 Prozent im September 2020. Besonders dramatisch ist dabei die Lage in Italien. Hier waren Ende September fast 30 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos gemeldet, genauso viele wie vor einem Jahr. Ähnlich hoch ist die Rate in Spanien, wo es jedoch im Vergleich zum Vorjahr, als die Rate bei 41 Prozent lag, eine deutliche Verbesserung gegeben hat. Unverändert hoch bei 25,1 Prozent ist auch die Arbeitslosigkeit in dieser Kategorie in Schweden, ebenso wie in Portugal (23,7 Prozent) und in Frankreich (19,2 Prozent). Deutschland liegt mit einer Quote von 6,6 Prozent am zweiten Platz, knapp hinter Spitzenreiter Tschechien (6,3 Prozent).

Diese Zahlen basieren Eurostat zufolge auf Schätzungen, basierend auf der weltweit verwendeten Standarddefinition der Internationalen Arbeitsorganisation für Arbeitslosigkeit. Danach wird eine arbeitslose Person definiert als eine Person im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Berichtswoche nicht erwerbstätig ist, innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen könnte und zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Beschäftigung gesucht hat. Die Arbeitslosenquote ist die Zahl der Arbeitslosen als prozentualer Anteil der Arbeitskräfte.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. November 2021 um 20:42 Uhr.