Rainer Dulger steht vor einer Wand mit dem Logo des BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände). | REUTERS

Streit über Eintrittsalter Arbeitgeber fordern "enkelfeste" Rente

Stand: 02.08.2021 15:57 Uhr

Wer jenseits des gesetzlichen Renteneintrittsalters weiterarbeitet, solle belohnt werden, so Arbeitgeberpräsident Dulger. SPD, Linke und Gewerkschaften lehnen eine längere Lebensarbeitszeit ab.

Weniger Einzahler - mehr Empfänger: An diesem mit der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge zunehmenden Ungleichgewicht krankt die gesetzliche Rentenversicherung. Die "jetzige Finanzierung für die Altersvorsorge sieht tatsächlich alt aus", sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger der Nachrichtenagentur dpa. Dulger verlangt eine Diskussion über eine längere Lebensarbeitszeit - die Politik müsse sich bei dem Thema Rente ehrlich machen: "Wir brauchen eine Rentenpolitik, die länger als bis zum nächsten Wahltermin blickt."

Anreize in Form von Beitragsbefreiung?

Das Problem sei, dass das Verhältnis zwischen Leistungsempfängern und Einzahlern immer mehr aus dem Gleichgewicht gerate, wenn die Jahrgänge, die in den 1960er-Jahre geboren wurden, in Rente gingen. "Die entstehende Lücke müsste der Bund mit Steuermitteln wieder auffangen, doch das ist keine nachhaltig finanzierbare Lösung", sagte Dulger.

Es gehe um Generationengerechtigkeit: Man müsse die Rente "enkelfest" machen. Dulger schlägt Anreize für diejenigen vor, die schon jetzt bereit seien, länger zu arbeiten. So sollte man sie von Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung befreien, schließlich könnten sie gar nicht mehr arbeitslos werden. Wenn sie das Geld anderweitig oder für private Vorsorge nutzten, wäre das ein echter Anreiz, so der Arbeitgeberpräsident.

SPD will gesetzliche Rente auch für Beamte

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte zuletzt erklärt, die gesetzliche Rente sei ein zentrales Versprechen des Sozialstaates. Der SPD-Politiker lehnt eine längere Lebensarbeitszeit ab. Stattdessen setzt er auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung mit gut bezahlten Jobs. Die SPD will laut Wahlprogramm auch Selbstständige, Beamte und Mandatsträger in die gesetzliche Rente einbeziehen und so den Kreis der Einzahler vergrößern.

Die Linke ist kategorisch gegen ein höheres Renteneintrittsalter. Der Bundesgeschäftsführer der Partei, Jörg Schindler, nannte Dulgers Vorstoß eine "Rentenkürzung durch die Hintertür". Für Krankenschwestern oder Dachdecker sei schon das Erreichen des heutigen Renteneintrittsalters illusorisch. Eine verlängerte Lebensarbeitszeit werde das Problem der Altersarmut deshalb nur weiter verschärfen.

Ähnlich äußerte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). "Wer Debatten über ein höheres Rentenalter anstößt, soll ehrlich zugeben, dass er eine Rentenkürzung durch die Hintertür will. Denn viele Beschäftigte schaffen es schon heute nicht, gesund bis zur Rente durchzuhalten", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der dpa. "So würde absehbar die Zahl der Arbeitslosen und Kranken vor Renteneintritt steigen, weil viele gar nicht länger arbeiten können." Kritik kam auch von der IG Metall.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. August 2021 um 13:44 Uhr.