Eine Frau hebt Geld bei der griechischen Eurobank ab.

Griechenland Wie lange halten Athens Banken durch?

Stand: 02.02.2015 13:18 Uhr

Tsipras' drängendstes Problem sind nicht die Staatsfinanzen - sondern die Banken. Denn die werden von Sparern bedrängt, von Investoren gemieden und verlieren den Zugang zu billigem EZB-Geld. Wie viel Zeit bleibt ihnen noch?

Von Heinz-Roger Dohms, tagesschau.de

"Griechische Banken bestehen Stresstest mit Bravour." Drei Monate ist diese Schlagzeile erst alt. Und doch entstammt sie einer anderen Zeit. Die damals frisch kapitalisierten, scheinbar grundsoliden griechischen Geldhäuser sind binnen weniger Wochen zu Wackelinstituten mutiert - bedrängt von den eigenen Sparern, aufgegeben von vielen Aktionären, abgeschnitten vom Anleihemarkt, am Tropf der Europäischen Zentralbank.

Bis Ende Mai, so hat Athens neuer Finanzminister Yanis Varoufakis heute Morgen erklärt, soll eine Lösung für das griechische Schuldenproblem her. Mag sein, dass die hellenischen Staatsfinanzen tatsächlich so lange durchhalten. Aber tun es die Banken auch?

Allein vorige Woche krachten Bankaktien um 40 Prozent ein

Giannis Varoufakis in Paris
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Hat Varoufakis so viel Zeit, wie er sich nehmen will?

Die Signale der vergangenen Tage alarmieren. Um rund 40 Prozent sind die Aktien der vier großen griechischen Banken vorige Woche eingebrochen, allein am Mittwoch lag das Minus bei rund 25 Prozent. Viele Anteilseigner verlieren also zusehends den Glauben an das Quartett aus Piräus Bank, Alpha Bank, Eurobank und der National Bank of Greece.

Noch schlimmer ist die Lage am Anleihemarkt. Die Rendite für ein 2017 auslaufendes Schuldpapier der Piräus Bank stieg am Freitag auf 22 Prozent, bei den drei übrigen Instituten sah es kaum besser aus. Mit anderen Worten: Wer den griechischen Geldinstituten überhaupt noch Geld leiht, tut das nur noch zu horrend hohen Zinsen. "Zumindest in den kommenden sechs Monaten dürfte es für die Banken unmöglich sein, sich über die Emission neuer Anleihen frisches Geld zu besorgen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Investor.

Die Skepsis der oft angelsächsischen Investoren korrespondiert mit der Angst vieler griechischer Sparer, ihr Geld könnte bei den heimischen Instituten nicht mehr sicher sein. So berichtete die "Financial Times" am Wochenende, zuletzt sei bis zu eine Milliarde Euro täglich von den griechischen Banken abgehoben worden. Und das, wo die privaten Spareinlagen nach Schätzungen der Ratingagentur Moody's ohnehin nur noch 164 Milliarden Euro betragen.

Die Abflüsse sind gewaltig, aber nicht existenziell. Noch nicht

Die Lage ist also ernst. Die Frage ist: Wie ernst? Positiv stimmt, dass zumindest einige Ankeraktionäre ihr Engagement bei den griechischen Banken offensichtlich fortsetzen wollen. Dazu gehören der US-Milliardär Wilbur Ross oder Fonds wie die Allianz-Tochter Pimco.

Hinzu kommt, dass zwar Einlagen abfließen, der befürchtete "Bank-Run" - also ein massenhafter Ansturm auf die Bankschalter - bislang aber ausgeblieben ist. Verschiedenen Schätzungen zufolge sind im Januar rund zehn Milliarden Euro von griechischen Sparkonten abgeflossen. Das ist gewaltig, aber noch nicht existenziell. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise Mitte 2012 war die Lage nach Einschätzung vieler Experten dramatischer. In den nächsten Tagen werden die Banken kaum in eine Notlage geraten. Aber vielleicht in den nächsten Wochen.

Die griechische National Bank
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Die griechische Notenbank könnte die Geschäftsbanken mit Notkrediten retten - wenn die EZB zustimmt.

Eine Geldquelle gibt es noch - doch auch sie ist nicht unendlich

Warum: Da private Investoren den griechischen Banken kein Geld mehr leihen, hängen die Institute mehr denn je an den Krediten der Europäischen Zentralbank. Diese Unterstützung fließt den bisherigen Verabredungen zufolge aber nur so lange, wie Athen mit der Hilfs-Troika aus EZB, EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) kooperiert. Am 28. Februar endet das laufende Hilfsprogramm. Finanzminister Varoufakis hat wenig Zweifel daran gelassen, dass er eine Verlängerung ausschließt.

Nimmt man an, dass der IWF wenig Lust verspürt, den Griechen ein weiteres Mal beizuspringen, bliebe den Athener Banken als letzter Ausweg nur noch eine Notkreditlinie der griechischen Zentralbank. Im Fachjargon wird sie ELA genannt - das Kürzel steht für Emergency Liquidity Assistance. Allerdings sprudelt auch diese Geldquelle nicht unendlich.

Haben die Banken überhaupt noch genug Sicherheiten?

Das liegt erstens daran, dass die ELA-Mittel, auch wenn sie von der griechischen Notenbank kommen, von der Europäischen Zentralbank genehmigt werden müssen. Bislang ist unklar, inwieweit die EZB dazu bereit ist.

Zweitens müssten die Athener Geschäftsbanken auch für diese Notkredite Sicherheiten hinterlegen - was die Frage aufwirft: Über wie viele Sicherheiten verfügen sie überhaupt noch? Die "Financial Times" schätzt, dass via ELA bestenfalls rund 50 Milliarden Euro fließen könnten. Wovon laut dem Finanzdatenanbieter "Bloomberg" wiederum allein 30 Milliarden Euro gebraucht würden, um die bestehenden Kreditlinien der EZB abzulösen.

Als letzter Puffer blieben dann also nur noch grob geschätzt 20 Milliarden Euro. Was zu wenig sein dürfte, um die griechischen Sparer dauerhaft davon zu überzeugen, ihr Geld im Land zu lassen.

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