Blick auf Rio. Brasilien ist einer der vier Mercosur-Staaten. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Einigung von EU und Mercosur Freier Handel für 772 Millionen Menschen

Stand: 28.06.2019 21:10 Uhr

In der EU leben mehr als 512 Millionen Menschen, in den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten 260 Millionen. Zusammen wollen sie die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Ein klares Signal in Zeiten von Handelskonflikten.

Die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur wollen gemeinsam die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Nach jahrelangen Verhandlungen sei eine Einigung erzielt worden, teilte die EU-Kommission mit. Nun würden die Vertragspartner den Entwurf juristisch prüfen und das endgültige Abkommen ausformulieren.

Ziel ist der Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, um den wechselseitigen Warenaustausch zu stärken und der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks Kosten in Milliardenhöhe zu ersparen. Allein vier Milliarden Euro an Zollgebühren würden nach EU-Angaben jedes Jahr wegfallen - vier Mal mehr als im Handel mit Japan.

EU beschließt Handelsabkommen mit Mercosur-Staaten
tagesschau 01:00 Uhr, 29.06.2019, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

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Juncker: "Ein historischer Moment"

Neben der wirtschaftlichen Dimension hat das geplante Abkommen auch eine politische. Die EU will angesichts der aktuellen Politik der USA ein Zeichen für freien und fairen Handel setzen - vor allem, nachdem US-Präsident Donald Trump die Pläne für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP einstampfte und auch die US-Beteiligung am Pazifik-Handelsabkommen TPP aufkündigte.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb auf Twitter von einem "historischen Moment". Inmitten der internationalen Handelskonflikte sende man ein starkes Signal für einen regelbasierten Handel.

Größte Freihandelszone bislang die zwischen EU und Japan

Auch die brasilianische Regierung betonte in Zeiten der "Spannungen und Unsicherheiten im internationalen Handel" hätten beide Seiten einen Kompromiss über eine "wirtschaftliche Öffnung" gefunden. Vor allem zwischen den USA und China gibt es derzeit einen erbitterten Handelsstreit, in dem sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt gegenseitig mit hohen Strafzöllen überziehen.

Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay an. Dort leben insgesamt mehr als 260 Millionen Menschen. Die EU-Staaten kommen derzeit - noch einschließlich Großbritannien - auf mehr als 512 Millionen Einwohner. Zusammen leben in der Freihandelszone also mehr als 772 Millionen Menschen. Das Abkommen wird damit das größte, das die EU jemals vereinbart hat. Größte Freihandelszone der Welt ist bislang die von EU und Japan - mit zusammen knapp 640 Millionen Einwohnern. Sie besteht seit dem 1. Februar.

Landwirte fürchten Agrargroßmächte Südamerikas

Das Abkommen zwischen EU und Mercosur ist allerdings nicht unumstritten und muss noch einige Hürden nehmen. Alle EU-Mitglieder sowie das Europäische Parlament müssen dem Vertrag zustimmen.

Viele europäische Landwirte befürchten, dem Wettbewerb mit den Agrargroßmächten aus Südamerika nicht gewachsen zu sein. Im Gegensatz zu anderen Branchen gilt der Agrarsektor in der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig. Zum einen wird im Mercosur in deutlich größerem Maßstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Zudem gehen die Landwirte in der Region sehr großzügig mit Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik um, was viele Verbraucher in Europa kritisch sehen.

Rinder in Brasilien | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Brasilien ist einer der vier Mercosur-Staaten - und eine Agrargroßmacht. Vor allem die Rinderzucht gilt dort als lukrativ.

Mercosur-Staaten exportieren vor allem Nahrungsmittel

Umweltschützer befürchten, dass die neuen Absatzmärkte für Fleisch- und Sojaexporte aus Brasilien dazu führen könnten, dass die Weide- und Anbauflächen erweitert werden und dafür der Amazonas-Regenwald weiter abgeholzt wird. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gilt als Freund der Agrarindustrie, Umweltschutz hingegen gehört nicht zu seinen Prioritäten.

Die Mercosur-Staaten exportieren vor allem Nahrungsmittel, Getränke und Tabak in die EU. Von dort gehen wiederum vor allem Maschinen, Transportausrüstungen sowie Chemikalien und pharmazeutische Produkte nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

Mit Informationen von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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