Russische Rubel-Banknoten liegen auf einem Tisch. | dpa

Kosten des Krieges Russland plant neue Rubel-Anleihen

Stand: 08.09.2022 15:22 Uhr

Erstmals seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine will sich Russland wieder Geld am Anleihemarkt beschaffen. Noch in diesem Monat will das Land neue Rubel-Anleihen ausgeben - und so seine Kriegskasse füllen.

Noch im Laufe des Septembers will Russland die Ausgabe von Rubel-Anleihen nach einer sechsmonatigen Unterbrechung wieder aufnehmen. Das Volumen werde allerdings zunächst sehr niedrig sein, schränkte Finanzstaatssekretär Timur Maksimow heute auf einem Finanzforum in Moskau ein. Der Markt solle erst einmal getestet werden.

Tatsächlich ist fraglich, wie hoch die Nachfrage nach den neuen Rubel-Anleihen, den so genannten OFZ, sein wird. Anleger etwa aus der EU, Großbritannien oder den USA scheiden als Käufer wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland von vornherein aus.

Ausländische Anleger hart getroffen

Russland hatte die Kreditaufnahme über Staatsanleihen, die es zum Stopfen seiner Haushaltslöcher verwendet, im Februar ausgesetzt. Kurz darauf überfiel das Land die Ukraine, was wiederum beispiellose westliche Sanktionen gegen Moskau auslöste.

Eine Folge dieser Sanktionen: Ausländische Anleger aus den von Russland als "unfreundlich" bezeichneten Ländern sitzen seither faktisch auf ihren Beständen an russischen Aktien und Anleihen fest. Berichten zufolge sind davon auch viele deutsche Kleinanleger betroffen.

Höhere Zinsen für neue Rubel-Anleihen?

Für seine neuen Rubel-Anleihen müsste Russland nach der Logik der Finanzmärkte derweil deutlich höhere Zinsen zahlen. Immerhin hatte das Land im Juni seinen ersten Zahlungsausfall auf Auslandsschulden seit über 100 Jahren erlebt.

Davon betroffen waren zwei OFZ-Bonds, die auf Euro und Dollar liefen; Russland blieb seinen ausländischen Gläubigern 100 Millionen Dollar an Zinsen schuldig. Ein solcher Vorfall hat normalerweise höhere Kreditkosten für das Land zur Folge, da sich die Investoren das gestiegene Risiko mit steigenden Zinsen bezahlen lassen.

Russland hofft auf Unterstützung Chinas

Bereits im Juli hatte der russische Finanzminister Maksimow angekündigt, sein Ministerium habe "große Pläne" für die Kreditaufnahme im Jahr 2023. Neben der Wiederaufnahme der Emission von Rubel-Anleihen plant das Land offenbar eine stärkere Ausrichtung auf Schuldtitel, die in der chinesischen Währung Yuan denominiert sind.

Dieser Prozess werde allerdings Zeit brauchen und nicht mehr in diesem Jahr beginnen, zitierte jüngst die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Insider. Dabei wäre eine formelle Unterstützung der chinesischen Regierung für eine russische Yuan-Emission die bevorzugte Option Moskaus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Juni 2022 um 16:41 Uhr.