US-Notenbank Federal Reserve  | AFP
Marktbericht

Gewinnmitnahmen Die Wall Street wartet auf die Fed

Stand: 31.10.2022 21:23 Uhr

Mit mäßigen Verlusten ist in New York der Oktober zu Ende gegangen - ein Rekordmonat, denn noch nie war der Dow Jones so stark gestiegen. Jetzt wartet alles auf den Zinsentscheid der Notenbank.

Zu Beginn der Woche mit der US-Zinsentscheidung am Mittwoch haben die Anleger am US-Aktienmarkt Gewinne eingestrichen. Der Dow-Jones-Index zollte seiner Oktober-Rally am Montag Tribut und gab am Ende des Tages 0,39 Prozent auf 32.732 Punkte nach. Mit einem Zuwachs von fast 14 Prozent verzeichnete der US-Leitindex aber den stärksten Oktober seiner Geschichte.

Auch die anderen großen US-Aktienindizes schlossen leichter. Die Technologiebörse Nasdaq gab stärker nach und ging bei 10.988 Zählern aus dem Handel, ein Tagesverlust von 1,03 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,75 Prozent auf 3871 Punkte. Die US-Börsen öffnen nach der Zeitumstellung hierzulande in dieser Woche bereits um 14:30 Uhr, Handelsschluss ist um 21:00 Uhr MEZ.

Über allem steht die Fed - Zinsentscheid am Mittwoch

Der generelle Optimismus wird derzeit vor allem von der Hoffnung der Anleger getragen, dass die Notenbank Federal Reserve (Fed) in ihrem Zinszyklus künftig eine langsamere Gangart einschlagen wird. Marko Kolanovic, Stratege bei der US-Bank JPMorgan, geht mittlerweile davon aus, dass die Geschwindigkeit der geldpolitischen Straffung der Notenbanken den Zenit erreicht haben dürfte.

Die Tatsache, dass die Berichtssaison der Unternehmen bis auf einige größere Enttäuschungen aus dem Tech-Sektor bisher gar nicht so schlecht gelaufen ist, hat den Optimismus der Investoren noch gestützt.

Am Mittwoch gibt es mit der nächsten Zinssitzung Neues von der Fed. Börsianer rechnen zwar weiterhin mit der vierten Zinserhöhung in Folge um 0,75 Prozentpunkte auf dann ein Niveau von 3,25 bis 4,00 Prozent. Die große Frage ist aber weiterhin, wie forsch die Fed danach noch gegen die Inflation vorgehen wird.

Nach dem Zinsentscheid steht am Freitag mit dem Arbeitsmarktbericht für Oktober ein weiterer wichtiger Baustein auf der Agenda, der über das künftige Zinstempo der Notenbank entscheidet. Nach dem ruhigen Wochenstart dürften die Märkte damit sehr schnell wieder Fahrt aufnehmen.

Tech-Aktien schwächer

Bei den Einzelwerten gerieten an der Wall Street erneut Technologiewerte unter Druck. "Wir haben festgestellt, dass Geld aus dem Technologiesektor in andere Sektoren abgewandert ist, die in den letzten zwei Wochen bessere Gewinne erzielt haben", sagte Michael James, Aktienexperte bei Wedbush Securities. Schwache Quartalszahlen bei Schwergewichten aus der Tech-Branche hatten zuletzt die US-Börsen belastet.

Meta erneut unter Druck

Zum Wochenstart gaben die Aktien der Facebook-Mutter Meta erneut mehr als sechs Prozent nach. Die zum Meta-Konzern gehörende Foto-Plattform Instagram räumte am Montag Probleme beim Zugriff auf Instagram-Konten bei einigen Nutzern ein. Der Webseite Downdetector zufolge waren fast 3000 Nutzer betroffen. Ein Gewinneinbruch und ein enttäuschender Ausblick auf das laufende Quartal hatten die Meta-Aktie in der vergangenen Woche bereits auf den niedrigsten Wert seit fast sieben Jahren absacken lassen.

DAX am Widerstand

Zum Monatsende übten sich die heimischen Anleger in Zurückhaltung. Der DAX schloss bei ruhigem und abwartendem Handel bei 13.253 Punkten, ein leichter Tagesgewinn von 0,1 Prozent. Dabei bewegte sich der Index in einer überschaubaren Bandbreite zwischen 13.216 und 13.307 Punkten. Auf Monatssicht war das Geschehen jedoch alles andere als ruhig.

Denn der deutsche Leitindex ist im Oktober kräftig um 9,4 Prozent vorgerückt. Seit seinem Tief Ende September hat der deutsche Leitindex rund 1300 Punkte zulegen können. Dass es die Anleger da auch mal etwas ruhiger angehen lassen, ist nichts Ungewöhnliches - zumal aus den USA heute keine marktbewegenden Daten auf der Agenda standen.

Geht es für den DAX noch weiter nach oben?

Technische Analysten weisen jedoch daraufhin, dass der DAX seinen Abwärtstrend seit Jahresbeginn und die Widerstandszone bei 13.500 Punkten immer noch nicht bezwungen hat. Der ultimative Lackmus-Test für die Kursrally im DAX steht folglich noch aus.

"Nach einem der höchstwahrscheinlich stärksten Oktobermonate seiner Geschichte kämpft der Deutsche Aktienindex jetzt mit einer massiven Widerstandszone und nicht zuletzt dem Abwärtstrend seit Jahresbeginn", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets.

Mit seiner Entwicklung im Oktober ist der deutsche Leitindex der noch deutlicheren Erholung der New Yorker Weltleitbörse gefolgt. Sogar überwiegend schwach ausgefallene Ergebnisse aus dem hochbewerteten Technologiesektor sowie eine unstete konjunkturelle Lage haben die gute Stimmung der US-Anleger im Oktober nicht trüben können.

Euro-Inflation macht Satz nach oben

Dagegen hinkt die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht vieler Marktbeobachter im geldpolitischen Straffungszyklus hinterher. Der heute Vormittag gemeldete überraschend deutliche Anstieg der Inflationsrate im Euroraum im Oktober auf 10,7 Prozent erhöht weiter den Druck auf die Währungshüter um Christine Lagarde. Trotzdem wird natürlich auch in Europa darüber diskutiert, wie es mit dem Zinszyklus der EZB weitergehen könnte.

"Die heutigen Daten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB ihre Leitzinsen im Dezember erneut um 75 Basispunkte anhebt, zumal die Euro-Wirtschaft im dritten Vierteljahr gegenüber dem zweiten Quartal noch immer mit 0,2 Prozent gewachsen ist", erklärt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

Der Euro fällt zurück

Der Devisenmarkt zeigte sich von der Datenveröffentlichung zunächst kaum beeindruckt. Im Verlauf bröckelte der Euro dann aber doch immer stärker und wird am Abend im US-Handel bei 0,9882 Dollar gehandelt - ein Minus von gut 0,8 Prozent. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9914 (0,9951) Dollar fest.

"Die Aussicht auf eine kräftige Zinserhöhung in den USA stärkt dem US-Dollar angesichts des soliden Wachstums den Rücken", schrieb Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba.

Schwache China-Daten belasten Ölpreise

Die Ölpreise neigten heute zur Schwäche. Gegenwind kam von schwachen Konjunkturdaten aus China. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 94,78 US-Dollar, rund ein halbes Prozent weniger als am Freitag. Der Preis für die Leichtölsorte WTI gab 1,1 Prozent nach.

FMC und Fresenius an DAX-Spitze

Im DAX erwiesen sich die Aktien von Fresenius und FMC anders als befürchtet als Kursstütze für den deutschen Leitindex, obwohl der Medizinkonzern und seine Dialyse-Tochter gestern wegen des derzeit schwierigen Konjunkturumfelds erneut ihre Prognosen gesenkt hatten. Beide Papiere standen an der DAX-Spitze.

Der neue Fresenius-Chef Michael Sen hat nach der zweiten Gewinnwarnung des Konzerns binnen weniger Monate angekündigt, alle Aktivitäten auf den Prüfstand zu stellen. "Wir bewerten alle Geschäfte, von oben nach unten und in hoher Geschwindigkeit", sagte Sen heute in Bad Homburg. "Das wird in mehr Strenge resultieren." Währenddessen müssten die Kosten sinken, um mit einem harten Umfeld zurechtzukommen.

Das sind Töne, die an der Börse gut ankamen. Einige Anleger könnten eine Einstiegschance wittern, hieß es unter Händlern. FMC- und Fresenius-Aktien thronen am Nachmittag mit Kursgewinnen von über sechs beziehungsweise fünf Prozent an der DAX-Spitze.

DWS-Chef sieht keine Fehler bei Angaben zu grünen Fonds

Die Fondsgesellschaft DWS hat ein Fehlverhalten mit Blick auf den Klimaschutz bestritten. "Es mag stimmen, dass das Thema in der Vergangenheit sehr lautstark vertrieben wurde. Aber wir sind jetzt mit unseren internen Untersuchungen fast fertig, und wir stehen auch weiterhin zu unseren Finanzberichten und Prospekten", sagte der seit Juni amtierende Vorstandschef der Deutsche-Bank-Tochter, Stefan Hoops, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Swiss-Chef sieht Lufthansa-Tochter auf richtigem Kurs

Swiss-Chef Dieter Vranckx ist überzeugt: "Die Swiss hat die Kurve gekriegt." Die ersten neun Monate des Jahres seien profitabel gewesen, sagte er im Interview mit dem "SonntagsBlick". Bis Jahresende will die Lufthansa-Tochter 800 neue Kabinenmitarbeitende eingestellt haben, 2023 sollen 1000 neue Flugbegleiter rund 80 Pilotinnen und Piloten folgen. "Wir wollen für 2023 eine Stabilität erreichen", so Vranckx.

Corona-Lockdown: Arbeiter von Apple-Zuliefer Foxconn fliehen

In China haben Mitarbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn nach einem Corona-Lockdown die Flucht ergriffen. In sozialen Medien kursierten am Wochenende zahlreiche Videos von Arbeitern, die das Werksgelände des Unternehmens in der ostchinesischen Metropole Zhengzhou verließen. Zu sehen war, wie Menschen teilweise über Zäune kletterten und mit Koffern und Habseligkeiten über Felder entkamen. Apple-Aktien geben in New York nach.

Verifizierte Accounts bei Twitter sollen Geld kosten

Tech-Milliardär Elon Musk will laut Medienberichten nach der teuren Twitter-Übernahme mit der Verifikation von Nutzern Geld verdienen. In der vergangenen Nacht berichteten die Technologie-Blogs "Platformer" und "The Verge", dass die Verifikations-Häkchen, die die Echtheit des Twitter-Profils garantieren, künftig nur noch für Kunden des Abo-Angebots Twitter Blue verfügbar sein sollen. Es kostet aktuell 4,99 Dollar im Monat.

Credit Suisse startet Kapitalerhöhung

Die Credit Suisse beginnt mit der Umsetzung der vergangene Woche angekündigten Kapitalerhöhung. Die Saudi National Bank und andere Profi-Anleger werden demnach 462 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 3,82 Franken beziehen. Der Ausgabepreis für die im Rahmen des Bezugsrechtsangebots bei den Altaktionären zu platzierenden 889,4 Millionen Aktien beläuft sich auf 2,52 Franken. Sie sollen für je sieben gehaltene Anteile zwei neue Titel erwerben können. Insgesamt erwartet die Bank aus der Transaktion einen Bruttoerlös von vier Milliarden Franken.