Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt am Main. | dpa

Trotz Eintrübung der Konjunktur Deutsche Bank schafft neuen Milliardengewinn

Stand: 27.07.2022 10:20 Uhr

Das größte deutsche Geldhaus hat im abgelaufenen Quartal einen überraschend hohen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Die Bank rechnet aber weiter mit herausfordernden Monaten.

Das größte deutsche Bankhaus hat trotz eines schwierigen Umfelds aus Rezessionssorgen, Inflation und drohender Gaskrise den achten Quartalsgewinn in Folge vorgelegt. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte die Deutsche Bank ihren Gewinn deutlich um mehr als die Hälfte auf 1,05 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Nettogewinn von 788 Millionen Euro gerechnet.

"Besonders erfreulich entwickeln sich die Privatkunden- und die Unternehmensbank", sagte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing. "Dank unserer erfolgreichen Transformation sind wir auf einem guten Weg, mit unseren vier starken Geschäftsbereichen gut diversifiziert und nachhaltig profitabel zu sein." An der Börse reagierten die Anleger verhalten auf die Zahlen, die Titel der Deutschen Bank notierten am Morgen um bis zu 1,0 Prozent tiefer.

Fragezeichen hinter den Jahreszielen

Für die Deutsche Bank ist es das stärkste Halbjahr und zweite Quartal seit dem Jahr 2011. Die Bank will auch weiter an dem Ziel festhalten, für das laufende Jahr eine Nachsteuerrendite von acht Prozent zu erzielen. Allerdings sei es schwerer geworden, diese Ziele zu erreichen.

"Vor uns liegen nun weitere herausfordernde Monate", schrieb Sewing in einem Mitarbeiterbrief. "Vieles spricht dafür, dass es wirtschaftlich noch schwieriger werden wird." Im zweiten Quartal lag die Nachsteuerrendite bei 7,9 Prozent im Vergleich zu 5,5 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Zu den größten Herausforderungen gehört das gestiegene Risiko für Kreditausfälle: Die Bank erhöhte ihre Rückstellungen auf 233 Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal, als die Risikovorsorge noch 75 Millionen Euro betrug.

Risiko gegenüber Russland verringert

Für das Jahr 2022 bestätigte die Deutsche Bank das Ziel, einen Ertrag von 26 bis 27 Milliarden Euro zu erreichen. Das gelte, obwohl sich das makroökonomische Umfeld im zweiten Quartal verschlechtert habe und die Bank vor einem herausfordernden zweiten Halbjahr ausgehe, hieß es bei der Veröffentlichung der Zahlen.

Das finanzielle Risiko gegenüber Russland verringerte die Deutsche Bank um 42 Prozent auf 0,6 Milliarden Euro. Die Inflation und die Wechselkursschwankungen führten zu einer Erhöhung der bereinigten Kosten um zwei Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

Harte Kernkapitalquote gestiegen

Die Bank ist deshalb bei der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Aufwand und Ertrag etwas weniger optimistisch. Im laufenden Jahr werde diese in einem niedrigen bis mittleren 70er-Prozentbereich liegen. Bisher hatte die Bank eine Quote von 70 Prozent in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal verbesserte sich die Relation auf 73 Prozent, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch bei 80 Prozent gelegen hatte.

Im Investmentbanking stiegen die Gewinne entsprechend der Prognosen lediglich um ein Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Die Gesamterträge des Konzerns erhöhten sich im zweiten Quartal um rund sieben Prozent auf 6,65 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote stieg im Quartalsverlauf auf 13 Prozent von 12,8 Prozent.

Bankhäuser mit Gewinneinbrüchen

Erst am Dienstag hatte die Konkurrenz der Deutschen Bank aus der Schweiz, die UBS, ihre Zahlen vorgelegt und den höchsten Quartalsgewinn seit zehn Jahren verbucht. In den USA, wo die Großbanken schon früher ihre Bücher offenlegten, meldeten die Schwergewichte der Finanzbranche jedoch bereits Gewinneinbrüche. Das größte Bankhaus in den USA, JPMorgan, meldete einen Gewinnrückgang um 28 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar. Wells Fargo verdiente mit 3,1 Milliarden Dollar beinahe 50 Prozent weniger als noch im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Und auch der Gewinn der Citigroup fiel um 27 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. Juli 2022 um 10:38 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Börse".