Bitcoin | AFP

Protest in den USA Mit dreckigem Billigstrom zu Bitcoins

Stand: 17.07.2021 10:06 Uhr

Die riesigen Rechnerkapazitäten, die Kryptowährungen wie den Bitcoin schürfen, verbrauchen viel Energie. Ein Fall aus den USA zeigt, wie Bitcoin-Schürfer durch Billigstrom aus einem alten Kraftwerk die Umwelt gefährden.

Von Carsten Schabosky und Christiane Meier, ARD-Studio New York

Die Bürgerinitiative "Seneca Lake Guardian" ist auf dem Weg nach Buffalo zur dortigen Umweltbehörde. Die Umweltschützer aus dem kleinen Ort Dresden, ein paar Stunden von New York entfernt, wollen, wie sie sagen, ihre Region retten - vor den Schürfern von Krytowährungen. Beim Schürfen werden mit Hilfe von vielen Computern Kryptowährungen generiert. Nach Ansicht der Aktivisten energetischer Wahnsinn: "Das Schürfen von Kryptowährung verbraucht mehr Energie als ganze Länder wie Argentinien, Schweden oder Pakistan", erklärt Umweltschützerin Yvonne.

Christiane Meier ARD-Hauptstadtstudio
Carsten Schabosky

Kühlwasser-Kreislauf gefährdet einen ganzen See

Dresden liegt am Seneca See. Hier in der Region leben sie vom Tourismus, der Landwirtschaft und vom Weinbau. Doch dann kam der Bitcoin. Eine riesige Röhre ragt in das Gewässer: Hier wird Kühlwasser ohne Filter aus dem See gepumpt. Fische und Pflanzen werden mit eingesogen. Die Aktivistin Abi erzählt: "Wir haben Luftprobleme, Wasserprobleme und Geräuschbelästigung. Wenn das so bleibt, zerstört es unser Leben hier und in jeder anderen Stadt, in der solche Bitcoins und andere Kryptowährungen hergestellt werden."

Die Wut der Bürgerinitiative richtet sich gegen die Firma Greenidge Generation. Die hat ein stillgelegtes Kraftwerk gekauft, um den Energiebedarf für das Schürfen von Bitcoin und Co. möglichst billig zu decken. Hier wird jetzt wieder Gas verbrannt. Geschätzte Produktion derzeit: 19 Megawatt - genug, um eine Kleinstadt zu versorgen. Damit ist die Firma der erste Bitcoin-Schürfer mit einem eigenen Kraftwerk.

Yvonne aber will ihren See retten und die Bitcoin-Schürfer in ihre Grenzen weisen: "Wenn diese Anlage den Seneca-See zum Umkippen bringt, wird es Jahrzehnte dauern, bis sich der See wieder erholt. Wegen seiner Tiefe und Größe könnte das sehr lange dauern." Dass Greenidge das erhitzte Kühlwasser über einen Bach ganz legal zurück in den See leiten darf, bedeute extremen Stress für die Fische, auch Algenblüten häuften sich. Schon jetzt ist die Luftbelastung mit CO2 in der Seenregion durch das Kraftwerk gewaltig. Dabei läuft es gerade mit nur 13 Prozent Kapazität.

Verhindern Krypto-Minen das Erreichen der Klimaziele?

Robert Howarth ist Professor an der Cornell-Eliteuniversität. Sein Fachgebiet: Umweltwissenschaften. Er macht sich Sorgen, dass noch mehr Bitcoin-Minen ans Netz gehen. "Wir wollen in acht Jahren nur noch 15 Millionen Tonnen CO2 produzieren, aber schon dieses Werk verursacht bei Volllast eine Million", erklärt er. "Wenn wir womöglich noch weitere 18 fossile Kraftwerke zulassen, ist das mehr als der Stromverbrauch des gesamten Staates New York. Dann erreichen wir unser Klimaziel nicht - und das ist eine ernste Sache."

Mason Jappa ist einer der Chefs der Firma Blockware Solutions. Sie verkauft Hardware, um Krytopwährungen zu schürfen. Jappa räumt ein, dass die Energiekosten beim Schürfen von Kryptowährungen die einzigen Kosten sind. Ansonsten sei das ein hochprofitables Geschäft. Geldgier schlage hier Klimaschutz, so der Vorwurf der Aktivisten. Denn längst haben auch andere Hersteller von Digitalgeld das Modell "Billigstrom aus alten Dreckschleudern" für sich entdeckt.