Frischer Hering und Scholle bei einem Großhändler auf dem Fischmarkt in Hamburg. | dpa

Fangquoten für die Nordsee Mehr Hering, weniger Seelachs

Stand: 14.12.2021 13:43 Uhr

Seelachs, Kabeljau und Scholle gehören zu den beliebtesten Speisefischen. Weil ihre Bestände in der Nordsee zurückgehen, legte die EU nun entsprechend niedrigere Fangquoten fest. Hering darf dagegen mehr gefischt werden.

Ab Januar gelten neue Fangquoten in der Nordsee. Das betrifft auch deutsche Fischer. Sie dürfen künftig 22 Prozent mehr Hering fangen, jedoch 25 Prozent weniger Seelachs als dieses Jahr. Die Fangquote für Kabeljau wurde um zwei Prozent leicht gesenkt. Auch für Scholle sinken die zulässigen Fänge um zehn Prozent. Nahezu unverändert bleiben die Fangmengen für deutsche Fischer mit Blick auf Schellfisch, arktischen Kabeljau und Schwarzen Heilbutt bei Grönland im kommenden Jahr. Diese Entscheidung fiel bei einem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister.

Landwirtschaftsminister Özdemir zufrieden

Der neue Bundesagrarminister Cem Özdemir von den Grünen zeigte sich zufrieden und sprach von einem ausgewogenen Kompromiss. Er hätte sich mit Blick auf Kabeljau in der Nordsee "ein etwas ambitionierteres Vorgehen" gewünscht, sagte er. Umweltschützer sehen diesen Bestand ebenfalls besonders kritisch. "Alle Zeichen stehen auf Zusammenbruch", kritisierte der WWF. Es werde immer noch mehr gefischt, als von Wissenschaftlern empfohlen.

Auch die US-amerikanische Umweltschutzorganisation Oceana kritisiert, dass ein Drittel der nun festgelegten Fangbeschränkungen zu hoch sei. Rupert Howes, Chef der Organisation MSC, die ein Siegel für nachhaltige Fischerei herausgibt, betont, wie wichtig ein anständiges Management der Bestände ist und kritisiert, dass mehrere Fischbestände stärker als von Forschern empfohlen gefischt werden. Es gebe aber Besserung: "Im Jahr 2005 wurden nur 25 Prozent der europäischen Bestände nachhaltig befischt, heute sind es fast 60 Prozent."

Fangquoten auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen für bestimmte Gewässer fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweiligen nationalen Fangmengen. Grundlage der Verhandlungen ist eine Vorlage der EU-Kommission, die in erster Linie auf wissenschaftlichen Empfehlungen beruht. Viele Fischbestände befinden sich in eher schlechtem Zustand.

Im Oktober hatten sich die EU-Fischereiminister auf Fangquoten für die Ostsee geeinigt. Wegen des weiterhin schlechten Zustands der Bestände dürfen Fischer kommendes Jahr in weiten Teilen der Ostsee keinen Hering und Dorsch fangen, außer wenn sie als Beifang ins Netz geraten.

Noch keine Einigung mit Großbritannien

Für die von der EU und Großbritannien geteilten Gewässer gab es noch keine Einigung. "Trotz unserer größten Bemühungen, die Beratungen rechtzeitig abzuschließen, sind diese mit dem Vereinigten Königreich über die Fischfangquoten für 2022 noch im Gange", sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. Mit Großbritannien solle "so schnell wie möglich" eine Einigung gefunden werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Dezember 2021 um 11:50 Uhr in den Nachrichten.