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Plaketten mit dem Facebook-Logo | Bildquelle: REUTERS

Facebook und Libra Warum die Währung so umstritten ist

Stand: 18.07.2019 00:09 Uhr

Noch kann man mit Libra nicht zahlen, schon steht der Facebook-Währung ein breiter Widerstand aus Politik und Bankenwelt gegenüber. Doch was genau fürchten die Gegner der Kryptowährung? Ein Überblick.

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Von Anja Kohl und Marcus Pfeiffer, HR  

Facebook drückt aufs Tempo. Bereits im kommenden Jahr will der US-Internetriese seine digitale Währung Libra an den Start bringen. Doch die Vorbehalte sind groß: Von US-Präsident Donald Trump, über die G7-Finanzminister bis hin zur Bundesregierung - sie alle wollen Libra verhindern. Auch Zentralbanken, Banken und Datenschützer sind alarmiert. tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was hat Facebook konkret vor?

Facebook möchte eine blockchain-basierte digitale Währung namens Libra erschaffen, mit der Nutzer leichter online einkaufen oder Geld verschicken können. Die Internet-Währung soll mit klassischen Währungen wie Dollar, Euro und Yen gekauft oder mit Anleihen hinterlegt werden können. Gespeichert werden soll das Guthaben in "Calibra", einer elektronischen Geldbörse.

Zugang sollen nicht nur die Nutzer der Dienste Facebook, Whatsapp oder Instagram haben. Bereits 28 private Unternehmen wie Mastercard, Paypal oder Uber gehören zu den Partnern, die ihren Kunden das Bezahlen per Libra ermöglichen wollen.

Beaufsichtigt werden soll Libra von einer Schweizer Stiftung, der Libra-Association. Sie soll über die Einhaltung rechtlicher Vorschriften wachen und Geldwäsche verhindern.

Warum sind die politischen Vorbehalte so groß?

Branchenkenner sind der Meinung: Kryptowährungen wie Libra könnten das klassische Finanzsystem auf den Kopf stellen, das bisher fest in der Hand von Zentralbanken und Banken ist.

Wenn nun Facebook und seine privaten Partner das Zahlen mit der Internet-Währung ermöglichen, dann wäre ein Großteil der weltweiten Bezahlvorgänge erstmals in der Hand relativ weniger privater Konzerne. Der Staat würde massiv an Einfluss auf das Geld- und Finanzsystem verlieren.

Warum sind die Zentralbanken alarmiert?

Zentralbanken übernehmen als Währungshüter verschiedene Funktionen im Geld- und Finanzsystem: Sie refinanzieren die Banken, erleichtern den Zahlungsverkehr und betreiben Geldpolitik über die Zinshöhe und die Geldmenge.

"Wenn Libra auf den Markt kommt, würde die Digitalwährung sehr schnell sehr viele Kunden erreichen. Durch diese Netzwerkeffekte würden die geldpolitischen Möglichkeiten der Zentralbanken sehr stark abgeschwächt", erklärt Andreas Hackethal von der Goethe Universität Frankfurt die Sorge der Zentralbanken.

Welche Auswirkungen hätte Libra auf die Banken?

Banken haben im Finanzsystem eine Geldtransaktions- und eine Lagerungsfunktion. Einerseits sollen sie Geld von A nach B transferieren. An den Gebühren verdienen sie sehr gut. Andererseits soll das Geld bei den Banken sicher verwahrt werden.

"Würde Libra demnächst als Hauptkanal zum Transfer von Geld benutzt, wäre das ein Frontalangriff auf dieses wichtige Standbein", sagt Banken-Experte Hackethal. Die Lagerungsfunktion greife Libra derzeit noch nicht an.

Was würde Libra für die Technik und den Datenschutz bedeuten?

Technisch wäre Libra ein Fortschritt, vor allem wegen der breiten Nutzung der Blockchain-Technologie. Die Blockchain ist eine Art digitales Buch, in denen Transaktionen gelistet und transparent nachvollzogen werden können. 

Für den Datenschutz sei entscheidend, wie anonym die Libra-Blockchain aufgebaut wird, sagt IT-Sicherheitsberater Sebastian Schreiber: "Wenn Libra anonym ist, dann ist das gut für den Nutzer, aber auch für Geldwäscher und Kriminelle." Und weiter: "Wäre Libra nicht anonym, dann könnten Facebook und seine Partner noch bessere Nutzerprofile erstellen und so eine bombastische Datenmacht erlangen."

Was passiert, wenn Libra gestoppt wird?

Nicht nur Facebook, sondern auch zahlreiche andere Unternehmen weltweit entwickeln Internet- beziehungsweise Kryptowährungen. Experten sagen: Früher oder später werden auch diese Unternehmen ihre Produkte auf den Markt bringen. Würde die Facebook-Währung jetzt gestoppt, könnte also zum Beispiel eine alternative Internet-Währung aus China versuchen, weltweit große Nutzergruppen anzusprechen und so das Finanzsystem erneut herausfordern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Juli 2019 um 06:47 Uhr.

Korrespondentin

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