US-Präsident Biden steigt aus einem Jeep mit Plug-In-Hybridmotor aus | AP

Mehr Neuzulassungen bis 2030 Biden setzt auf E-Autos

Stand: 06.08.2021 03:53 Uhr

Die USA sind einer der größten Klimasünder - das liegt auch an den großen SUV mit Verbrennungsmotor, die Amerikaner immer noch am liebsten fahren. Präsident Biden will das nun ändern.

 Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Elektro-Autos sind in den USA immer noch ein sogenannter "hard sell", schwer zu verkaufen: Unsportlich, kurze Reichweite, kaum Lademöglichkeiten. Gerade mal zwei Prozent der Neuzulassungen machen sie aus. Das weiß auch der US-Präsident - und deshalb präsentierte Joe Biden seine E-Auto-Initiative vor den fünf fettesten E-SUVs, die auf dem US-Markt gerade zu haben sind.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

"Guckt Euch diesen Brummer an! Von Null auf 60 in nur 4,1 Sekunden. Alles elektrisch", schwärmt Biden, während er auf ein E-Pick-Up von Ford hinter sich deutete. Er hätte so einen auch schon mal Probefahren dürfen. Und die Chefin des Autobauers GM hätte versprochen: Wenn es eine E-Corvette gibt, dürfe er die auch fahren. "Ihr glaubt, ich mach Witze? Ich meine es ernst. Meine Personenschützer haben nur gesagt: Oh, mein Gott!", witzelt der Präsident.

Wettlauf mit China

Für viele Amerikaner steht Klimaschutz immer noch für Jobvernichtung - und deshalb bemühte sich Biden, seine E-Initiative als alternativloses Zukunftsprojekt zu verkaufen. Schließlich stünden die USA vor allem mit China im Wettbewerb um die Vormacht im 21. Jahrhundert. Und um die zu gewinnen, müsse diese Zukunft in Amerika gemacht werden, sagt er.

Momentan, das räumt Biden ein, hat China die Nase klar vorn: sowohl was die Umstellung auf E-Autos angeht, als auch die Produktion der dafür nötigen Batterien. Dabei sei das vor nicht allzu langer Zeit noch anders gewesen: "Unsere Labore, unsere Universitäten, unser Autobauer waren mal führend in dieser Technologie und es gibt keinen Grund, warum wir das nicht wieder sein können. Aber wir müssen handeln und zwar schnell."

174 Milliarden Dollar für Elektromobilität

Bis 2030 soll deshalb wenigstens die Hälfte der neuen Pkw auf dem US-Markt elektrisch betrieben sein, so steht es in der Verordnung des Präsidenten, auch wenn die rechtlich nicht bindend ist. Eine halbe Millionen Ladestationen will Biden bauen lassen und Kunden mit Kaufprämien von bis zu 10.000 Dollar ködern. Insgesamt 174 Milliarden US-Dollar sollen investiert werden - auch in Forschung, Entwicklung und in die Umrüstung von Fabriken.

Und der Präsident verspricht: All das werde viele gutbezahlte Jobs bringen: "Ich weiß, viele von Euch haben Angst, auf der Strecke zu bleiben. In einer Wirtschaft, die sich so schnell ändert. Ich verstehe das. Aber für 90 Prozent der Jobs, die durch unseren Infrastrukturplan entstehen, braucht man keinen Uni-Abschluss."

Republikaner dagegen, linke Demokraten wollen mehr

Im internationalen Vergleich scheinen die amerikanische E-Auto-Ziele wenig ehrgeizig. Die EU etwa bis 2035 überhaupt keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren mehr. Auch Kalifornien hat das schon beschlossen. Aber für die USA insgesamt ist schon die Hälfte ambitioniert. Die US-Autobauer versprechen bislang nur, nur 40 bis 50 Prozent ihrer Flotte auf E-Antrieb umzustellen. Und noch ist auch beispielsweise das Geld für den Bau der E-Ladestationen vom Kongress nicht genehmigt. Den Republikanern gehen Bidens Klimaschutz-Pläne ohnehin viel zu weit, vielen linken Demokraten dagegen nicht weit genug.

Der Präsident selbst verbreitete Optimismus: Es sei noch nie eine gute Idee gewesen, gegen die USA zu wetten. Gemeinsam könnten die Amerikaner schlichtweg alles schaffen. Sprach es und verschwand kurz darauf zu einer kurzen Probefahrt im silbernen Hybrid-Jeep. 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 06. August 2021 um 07:56 Uhr.