Ein Hafen in China | AFP

Corona-Krise Chinas Wirtschaft bricht deutlich ein

Stand: 17.04.2020 07:43 Uhr

Im ersten Quartal 2020 ist das chinesische Bruttoinlandsprodukt um fast sieben Prozent geschrumpft. Durch das Coronavirus lag die Produktion teils brach. Das Land hofft darauf, wieder aufholen zu können.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist Chinas Wirtschaft geschrumpft. Im Vergleich zum Vorjahr sank das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 um 6,8 Prozent. Das teilte das Statistikamt in Peking mit.

Axel Dorloff ARD-Studio Peking

Der Grund für den Einbruch: Aufgrund der vielen Beschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus waren große Teile der chinesischen Wirtschaft seit Ende Januar bis in den März hinein praktisch lahmgelegt. Wochenlang gab es Arbeiter, die aufgrund von Reisebeschränkungen oder Quarantäne-Vorschriften nicht in ihre Fabriken zurückkehren konnten.

Einzelhandel und Gastronomie leiden weiter

Produktion, Logistik, Nachfrage - all das kam in China zum Erliegen und ist zuletzt nur langsam wieder angelaufen. Noch immer ist die Auslastung der chinesischen Industrie nicht auf dem Niveau von vor der Corona-Krise. Auch der Einzelhandel leidet, viele kleinere Geschäfte, Betriebe und Restaurants sind immer noch geschlossen.

"Die Bereiche Dienstleistungen und Export haben am meisten gelitten. Der Dienstleistungssektor, weil er meist auf direkten Kontakt oder Menschengruppen beruht. Aufgrund der Quarantäne-Vorschriften und den Regelungen zur sozialen Distanz war das aber nicht mehr möglich", sagt Dan Wang, Wirtschaftsanalystin bei der Economist Intelligence Unit in Peking. "Für den sinkenden Export ist vor allem die schwache globale Nachfrage verantwortlich. So lange die beiden größten Exportziele USA und Europa weiter in die Rezession schlittern, wird sich Chinas Exportsektor nicht erholen."

"Die Wirtschaft läuft noch nicht"

Der Export ist für fast 20 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Produktion, Logistik und Nachfrage haben große Schwierigkeiten.

Noch immer sei die Auslastung der Industrie nicht auf dem Niveau vor der Corona-Krise, sagt Jens Hildebrandt, Chef der Deutschen Handelskammer in Peking. "Die Wirtschaft läuft noch nicht. Industrieunternehmen in China laufen im Schnitt zu 80 Prozent. Der Einzelhandel und die Nachfrage sind tief im Keller."

Menschen mit Mundschutz arbeiten in einer Fabrik in Huanggang in der chinesischen Provinz Hubei.  | AP

Langsam läuft die Produktion wieder an - Menschen mit Mundschutz arbeiten in einer Fabrik in Huanggang in der Provinz Hubei. Bild: AP

Erstmals negative Quartalszahlen

China begann 1992 damit, die Wachstumszahlen der Wirtschaft quartalsweise zu veröffentlichen. Jetzt gab es zum ersten Mal negative Quartalszahlen. Ein komplettes Jahr mit einer schrumpfenden Wirtschaft verzeichnete China zuletzt 1976, zum Ende der Kulturrevolution. Für 2020 hoffen viele Analysten auf eine nachholende Entwicklung.

Die wirtschaftliche Erholung hänge an zwei Faktoren, so Hildebrandt. Erstens an einem großen Nachfrage-Konjunkturpaket der chinesischen Regierung und zweitens an der Geschwindigkeit der weltweiten wirtschaftlichen Erholung.

2019 noch Wachstum

Im vergangenen Jahr war die chinesische Wirtschaft als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 6,1 Prozent gewachsen. Viele Analysten hoffen jetzt auf eine nachholende Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Ein Wirtschaftswachstum zwischen ein und drei Prozent für das laufende Jahr gilt für China weiter als realistisch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. April 2020 um 12:00 Uhr.