Die Bürgerreporterin Zhang Zhan auf einem Screenshot aus ihrem YouTube-Video

Berichte über Corona in Wuhan Bürgerjournalistin in China angeklagt

Stand: 25.06.2020 10:41 Uhr

In China ist eine Bürgerjournalistin angeklagt worden, die die Maßnahmen der chinesischen Behörden in Wuhan kritisiert hatte. Andere Bürgerrechtler, die über Wuhan berichteten, sind verschwunden.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Am 13. Mai stellte Zhang Zhan das letzte Livestream-Video aus Wuhan auf die Plattform YouTube. Das Datum nennt sie im ersten Satz. Freunde der 37-jährigen ausgebildeten Juristin gaben an, am nächsten Tag jeglichen Kontakt zu ihr verloren zu haben.

Zuvor hatte Zhang seit Februar als Bürgerjournalistin aus Wuhan berichtet - wo das Coronavirus ausgebrochen war. Dutzende Livestreams über das, was sie in Wuhan gesehen hat, veröffentlichte sie auf Twitter, YouTube und anderen Plattformen im Internet. Sie sprach über überfüllte Krankenhäuser und abgewiesene Patienten, über die abgeriegelte Zwölf-Millionenstadt, die entgegen der offiziellen staatlichen Propaganda mit dem Ausbruch des Coronavirus völlig überfordert war.

Eltern schwiegen aus Angst

In einem Artikel warf sie den Behörden Vertuschung und Zensur vor, außerdem unverhältnismäßige Maßnahmen, die gegen die Menschenrechte verstoßen haben. Wie nun erst bekannt wurde, wurde Zhang angeklagt. Ihre Eltern waren informiert worden, hatten aber aus Angst geschwiegen. "Streit anfangen und öffentlichen Ärger provozieren" - so lautet der offizielle Anklagepunkt, der in China immer wieder für Aktivisten und Dissidenten genutzt wird.

Zhang befindet sich jetzt in einem Gefängnis in Shanghai. Dort hatte sie im September 2019 schon einmal gesessen, weil sie öffentlich mit den pro-demokratischen Protesten in Hongkong sympathisiert hatte.

Berichtet und verschwunden

Kritiker leben im Land immer gefährlicher, sagt Chinas bekanntester Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Xu Xiaodong:

"Wir können uns in China nicht frei äußern, die Einschränkung der Redefreiheit wird immer schlimmer. Wuhan war zeitweise die Stadt mit der striktesten Kontrolle in China. Dort hinzufahren, war gefährlich."

Xu ist ein guter Freund von Chen Qiushi - neben Zhang ist er einer von drei weiteren Bürgerjournalisten, die nach dem Ausbruch des Coronavirus aus Wuhan berichteten und dann verschwunden sind. Nur einer von ihnen, Li Zehua, ist bislang wieder aufgetaucht.

Xu Xiaodong | Bildquelle: picture alliance / Mi Duke/dpa
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Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Xu Xiaodong:
"Wir können uns in China nicht frei äußern."

Keine kritischen Fragen und Berichte erlaubt

Tausende Internetnutzer wurden zudem bestraft, weil sie angebliche Gerüchte über das Coronavirus im Internet verbreitet hätten. Selbst kritische Fragen zu stellen ist gefährlich.

Die Volksrepublik duldet kaum unabhängige kritische Berichterstattung zur Corona-Pandemie in Land. Die Kommunistische Partei Chinas beansprucht die alleinige Deutungshoheit.

Bürgerjournalistin in China angeklagt
Axel Dorloff, ARD Peking
25.06.2020 09:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Juni 2020 um 09:11 Uhr.

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