Die leeren Stühle der Bank der Milwaukee Bucks tragen schwarze Überzüge mit der Aufschrift Playoffs und das Logo der NBA | Bildquelle: dpa

Protest gegen Polizeigewalt US-Sportligen setzen Wettkämpfe aus

Stand: 28.08.2020 08:35 Uhr

Der Sport steht still in den USA. Auch Sportler anderer Ligen schlossen sich dem Protest der NBA an.

Ausgelöst vom Playoff-Boykott der Basketballer aus Milwaukee verzichteten am Mittwoch (26.08.20/Ortszeit) Teams und Spieler in der National Basketball Association (NBA), Major League Baseball (MLB), Major League Soccer (MLS) und Women’s National Basketball Association (WNBA) auf ihre Wettkämpfe. Laut dem Sender "ESPN" schloss sich verspätet auch die Eishockey-Liga NHL der Protestserie an und sagte die für Donnerstag angesetzten Spiele ab.

Der Protest im US-Sport ist eine Reaktion auf die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen schwarzen Amerikaner. Der 29 Jahre alte Familienvater Jacob Blake war am Sonntag im US-Bundesstaat Wisconsin durch sieben Schüsse der Polizei in seinen Rücken schwer verletzt worden.

Proteste in zahlreichen Sportligen

Die Frauen-Basketballliga WNBA hat alle Spiele am Mittwoch und Donnerstag abgesagt. Die Spielerinnen der Washington Mystics trugen am Mittwoch symbolisch weiße T-Shirts mit sieben Einschusslöchern auf dem Rücken. Eines für jeden Schuss in den Rücken Blakes.

"Wir müssen mehr unternehmen, um konkrete Schritte für Veränderungen zu bewirken", teilte die Fußballliga Major League Soccer (MLS) mit. Fünf der sechs angesetzten Begegnungen wurden abgesagt. Der Besitzer des Teams Real Salt Lake geriet aufgrund strittiger Äußerungen zu den Protestaktionen in die Kritik. Auch die MLS distanzierte sich von Dell Loy Hansen.

In einem Radio-Interview sagte Hansen, die Entscheidung der Spieler, aufgrund der Polizeigewalt nicht aufzulaufen, habe seinem Vorhaben, in das Team zu investieren, "viel Wind aus den Segeln genommen." Zudem erklärte Hansen: "Die Spieler haben nationale Themen unterstützt, aber es ist sehr offensichtlich, dass sie unsere Gemeinschaft nicht unterstützt haben." Er sei deswegen "tief enttäuscht", da die Zusammenführung der Gemeinschaft während der Corona-Pandemie "offensichtlich nicht respektiert wurde."

Gressel mit öffentlicher Kritik an Team-Besitzer von Salt Lake

Don Garber, Chef der Major League Soccer, verurteilte Hansens Äußerungen und erklärte außerdem, man werde eine Untersuchung gegen ihn einleiten. In einem Statement schrieb die MLS, man sei zutiefst besorgt über die Anschuldigungen, den Sprachgebrauch und das Verhalten von Hansen. Dafür gebe es in der MLS null Toleranz.

Der deutsche Fußballprofi Julian Gressel von D.C. United reagierte ebenfalls mit Unverständnis auf die Aussagen von Hansen. "Zeit, das Team zu verkaufen", schrieb Gressel (26) bei Twitter bezugnehmend auf dessen Kommentare.

Spielausfälle in der MLB

In der Major League Baseball (MLB) gab es ebenfalls aus Protest einen Spielausfall: Die Milwaukee Brewers weigerten sich, gegen die Cincinnati Reds zu spielen. Danach wurden drei weitere Spiele verschoben. Am Donnerstag wurden weitere Partien gestrichen.

Die Eishockey-Liga NHL sagte nach Informationen des Senders "ESPN" die für Donnerstag angesetzten Playoff-Spiele ab. Der NHL-Entscheidung vorausgegangen waren Gespräche zwischen der Liga und den Spielern. Ihre Spiele am Mittwoch hatte die NHL noch durchgeführt.

NBA: Videokonferenz mit Michael Jordan einberufen

In der NBA wurden die für Donnerstag geplanten Spiele allesamt verlegt: das erste Viertelfinale zwischen dem Meister Toronto Raptors und den Boston Celtics sowie die Achtelfinals Dallas Mavericks - Los Angeles Clippers und Utah Jazz - Denver Nuggets.

"Wir hoffen, dass es Freitag oder Samstag weitergeht", wurde NBA-Vizepräsident Mike Bass in einer Mitteilung zitiert. Am Donnerstagabend wird es laut Liga eine Videokonferenz geben. Einige Profis, Vertreter der 13 in den Playoffs verbliebenen Klubs und der Spielergewerkschaft NBPA, Liga-Offizielle sowie die NBA-Legende Michael Jordan werden daran teilnehmen. Der Besitzer der Charlotte Hornets ist Vorsitzender eines Ausschusses für Arbeitsangelegenheiten.

Kritik von Trump, positive Reaktion von Biden

US-Präsident Donald Trump kritisierte das Vorgehen der NBA. Die Liga sei so etwas "wie eine politische Organisation geworden", sagte Trump, "und das ist keine gute Sache." Sein Herausforder bei der Präsidentschaftswahl, Joe Biden, hatte dagegen positiv reagiert. Die Spieler hätten ihre Bühne "für das Gute genutzt".

Quelle: sportschau.de

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