Juventus Cristiano Ronaldo im Duell mit Barcelonas Lionel Messi | imago images/Gribaudi/ImagePhoto

Super-League-Klubs UEFA verhängt Geldstrafen - und droht

Stand: 07.05.2021 20:38 Uhr

Neun Klubs, die an der Super League teilnehmen wollten, sind von der UEFA mit Geldstrafen belegt worden. Juventus Turin, Real Madrid und dem FC Barcelona drohen deutlichere Maßnahmen.

Von Chaled Nahar

Wie die UEFA am Freitag (07.05.2021) mitteilte, hätten neun der zwölf Super-League-Klubs eine Erklärung abgegeben, in der sie den Schritt zur Gründung des Wettbewerbs als "Fehler" ansehen und sich zu den Strukturen und Wettbewerben der UEFA und ihrer nationalen Ligen bekennen. "Die beschlossene Maßnahmen zur Wiedereingliederung sind vollständig und abschließend", so die UEFA. Über Juventus Turin, Real Madrid und den FC Barcelona wurde demnach noch nicht entschieden, diese drei Klubs halten an der Idee fest. Die UEFA droht mit Maßnahmen.

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Sportgerichtsbarkeit der UEFA soll über Real, Juve und Barcelona entscheiden

Die UEFA schrieb dazu: "Darüber hinaus hat sich die UEFA in Zukunft alle Rechte vorbehalten, Maßnahmen zu ergreifen, die sie gegen die Vereine für angemessen hält, die sich bisher geweigert haben, auf die sogenannte Super League zu verzichten. Die Angelegenheit wird unverzüglich an die zuständigen UEFA-Disziplinargremien weitergeleitet."

Die drei Klubs werden also ein Fall für die Sportgerichtsbarkeit der UEFA - und könnten beispielsweise von der Champions League ausgeschlossen werden.

Finanzielle Strafen im zweistelligen Millionenbereich

Die neun Klubs, die vollumfänglich unter das Dach der UEFA zurückkehren sollen, sind Arsenal, Chelsea, Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham Hotspur, AC Mailand, Inter Mailand und Atletico Madrid. "Diese neun Klubs bestätigen und akzeptieren dass das Projekt Super League ein Fehler war. Sie bitte die Fans, Verbände, Ligen, andere Klubs und die UEFA um Verzeihung", heißt es in der Mitteilung der UEFA.

Die Vereinbarung zwischen der UEFA und den neun Klubs sieht Folgendes vor:

  • Fünf Prozent der Einnahmen aus einer Europapokalsaison müssen die Klubs der UEFA für eine Neuverteilung überlassen. 2019 verdiente Tottenham beispielsweise rund 100 Millionen Euro, als der Klub das Finale der Champions League erreichte. Liverpool erspielte damals sogar 111 Millionen. Es geht also beiden Klubs um einen einstelligen bis knapp zweistelligen Millionenbetrag.
  • Die Klubs erkennen die Verbindlichkeit der UEFA-Statuten an und nehmen an den UEFA-Wettbewerben teil, wann immer sie sich dafür qualifizieren.
  • Die Klubs werden wieder Mitglieder in der Klubvereinigung ECA. Die ECA kündigte an, dass ihr neuer Vorstand über Vereinbarungen mit den neun Klubs "entscheiden werde".
  • Die Klubs sollen alles tun, um jegliche vertragliche Vereinbarung mit der Super League zu lösen.
  • "Als Zeichen des guten Willens" sollen die Klubs gemeinsam insgesamt 15 Millionen Euro an den Kinder-, Jugend- und Breitenfußball in ganz Europa spenden.
  • Sollten sich die Klubs abermals zu einer Super League entschließen, drohen nunmehr 100 Millionen Euro Strafe.
  • Sollte ein Klub gegen die veröffentlichte Vereinbarung verstoßen, werden 50 Millionen Euro fällig.

UEFA-Präsident Ceferin: "Mit den anderen befassen wir uns später!"

Erneuerte seine Warnung an Real Madrid und Co.: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. | Richard Juilliart/UEFA/AP/dpa

Erneuerte seine Warnung an Real Madrid und Co.: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Bild: Richard Juilliart/UEFA/AP/dpa

"Die UEFA möchte dieses Kapitel hinter sich lassen", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin der Mitteilung zufolge. Das Geld aus den Strafen solle dem europäischen Fußball zugute kommen. "Diese Vereine haben ihre Fehler schnell erkannt und Maßnahmen ergriffen, um ihre Reue und ihr zukünftiges Engagement für den europäischen Fußball zu demonstrieren."

Das allerdings gelte nicht für die Klubs, die sich weiterhin nicht von der Super League losgesagt haben. "Die UEFA wird sich später mit diesen Vereinen befassen", sagte Ceferin.

Große Proteste von Fans vor allem in England

Die Super League war am 18./19. April in der Nacht von Sonntag auf Montag "ins Leben" gerufen worden und löste sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder auf, als acht Klubs nach und nach öffentlich mitteilten, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Der AC Mailand nahm etwas später Abstand.

Bei vielen Fans löste die Super League großen Unmut aus. Bei Arsenal, Liverpool, Chelsea und Manchester United kam es zu großen Protesten.

Real-Präsident: "Alle zwölf Klubs sind nach wie vor dabei"

Die Super League sollte 20 Klubs haben. 15 davon sollten permanente Mitglieder werden, fünf weitere über eine jährliche Qualifikation hinzukommen. Am Sonntagabend hatten bislang zwölf Klubs verkündet, die Liga gründen zu wollen, deutsche Klubs waren nicht dabei.

Real-Präsident Florentino Pérez glaubt noch an die Super League. | Manu Fernandez/AP/dpa

Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid Bild: Manu Fernandez/AP/dpa

Real Madrids Präsident Florentino Pérez als Initiator der Super League will diese wie auch die beiden anderen Klubs nicht aufgeben. Fraglich ist, ob der Rückzug der anderen Klubs ohne Weiteres möglich ist. Pérez sprach von rechtlich bindenden Verträgen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete aus einem Rahmenvertrag der Super League, wonach Strafzahlungen in Höhe von 150 Millionen fällig würden.

Pérez sagte in spanischen Medien, dass die Super League "nicht tot" sei. Keiner der Klubs habe bislang eine Strafe gezahlt, weil keiner der Klubs die Liga verlassen habe. Erst wenn sie es täten, würde eine Strafe fällig. "Alle zwölf Klubs sind noch dabei, keiner ist abgesprungen." Der Spiegel" berichtete, dass sich die Klubs für 23 Jahre zur Teilnahme an der Super League verpflichtet hätten.

Fan-Bündnisse in ganz Europa fordern einen radikalen Wandel im europäischen Fußball mit mehr Kontrolle über die Finanzen. Der Super League erteilen sie eine Absage, der Champions League allerdings in ihrer geplanten Form auch. Zahlreiche Fanorganisationen forderten am Donnerstag die Rücknahme der Reform und eine komplett neue Diskussion über die Gestaltung der europäischen Wettbewerbe.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2021 um 13:20 Uhr.