Das leere Stadion Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis | imago/BPI/sportfotodienst

Paris statt Sankt Petersburg UEFA verlegt Finale der Champions League

Stand: 26.02.2022 07:51 Uhr

Die UEFA hat Sankt Petersburg das Finale der Fußball-Champions-League wie erwartet entzogen, das Spiel soll nun im Stade de France in Saint-Denis bei Paris stattfinden. Einem Medienbericht zufolge soll die Partnerschaft mit Gazprom beendet werden.

Von Chaled Nahar

Die Verlegung des Champions-League-Finales bestätigte die UEFA nach einer Sondersitzung ihres Exekutivkomitees am Freitag (25.02.2022). Die Sitzung war angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine von Präsident Aleksander Ceferin einberufen worden. Das Finale sollte nach bisheriger Planung am 28. Mai 2022 in der Gazprom-Arena Sankt Petersburg stattfinden.

Sportschau

"Die UEFA möchte Emmanuel Macron, Präsident der Französischen Republik, ihren Dank und ihre Wertschätzung für seine persönliche Unterstützung und sein Engagement aussprechen", hieß es in einer Mitteilung. An dem in Sankt Petersburg geplanten Endspiel hatte es angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine Kritik aus der Politik gegeben.

Der britische Premierminister Boris Johnson, mehrere Bundestagsabgeordnete und Mitglieder des Europäischen Parlaments forderten eine Verlegung des Spiels. Schon in den Jahren zuvor musste die UEFA mehrfach wegen der Pandemie umplanen.

Planung Endspiele UEFA Champions League
Jahr Planung 2019 Planung 2020 Planung 2021 aktuell
2020 Istanbul Lissabon - -
2021 Sankt Petersburg Istanbul Porto -
2022 München Sankt Petersburg Sankt Petersburg Paris
2023 Wembley München Istanbul Istanbul
2024 - Wembley Wembley Wembley
2025 - - München München

"Times": UEFA wird Partnerschaft mit Gazprom beenden

In ihrer Mitteilung ging die UEFA nicht auf das langjährige Sponsoring durch Gazprom ein. Einem Bericht der englischen "Times" zufolge soll aber die Trennung der UEFA von einem ihrer größten Geldgeber bevorstehen. Dem Bericht zufolge sollen bereits am 8. März, wenn der FC Bayern München im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League auf Red Bull Salzburg trifft, keine Werbemaßnahmen von Gazprom mehr im Umfeld der Königsklasse zu sehen sein.

Auf Anfrage der Sportschau dementierte die UEFA den Bericht nicht und teilte mit: "In Kürze werden weitere Sitzungen des UEFA-Exekutivkomitees stattfinden, bei denen zusätzliche Angelegenheiten behandelt werden."

Die EURO 2024 in Deutschland - mit Gazprom als Sponsor? | imago

Die EURO 2024 in Deutschland - mit Gazprom als Sponsor? Bild: imago

Mehrere Politikerinnen und Politiker hatten ein Ende des Sponsorings der UEFA durch Gazprom gefordert. Nach bisherigem Stand wäre das Unternehmen, das von der Regierung politisch als geostrategisches Machtinstrument eingesetzt wird, weiter Sponsor der Champions League und auch der EM 2024 gewesen, die in Deutschland ausgetragen wird.

Peter Peters fordert UEFA zum Umdenken auf

DFB-Präsidentschaftskandidat Peter Peters forderte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass die UEFA die Partnerschaft überdenken soll. "Ich kann mir angesichts des Kriegs nicht vorstellen, dass irgendjemand im Fußball mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden möchte", sagte Peters.

Peters sitzt als gewählter Vertreter der UEFA im FIFA-Rat und kandidiert beim DFB-Bundestag am 11. März in Bonn als Präsident. Der DFB ist über Interimspräsident Rainer Koch im Exekutivkomitee vertreten. Auch Bayern Münchens früherer Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sitzt als Vertreter der europäischen Klub-Vereinigung ECA im Exekutivkomitee.

Gazprom, Russland und UEFA - eine gewachsene Verbindung

Gazprom ist seit 2012 einer der Großsponsoren der UEFA. Das Unternehmen zeigt sich bislang im Umfeld der Champions League, die Partnerschaft wurde vergangenes Jahr auf die EM 2021 und die Nations League ausgeweitet. Welche Summe mittlerweile für das Sponsoring fällig wird, beantwortet die UEFA auf Anfrage der Sportschau nicht. Medienberichten zufolge geht es um jährlich mehr als 50 Millionen Euro, von denen vor allem die Klubs der Champions League profitieren.

Der Werbewert des Sponsorings für Gazprom erscheint auf den ersten Blick gering, für einen Endverbraucher in Europa ist es schließlich weitgehend nicht möglich, Kunde von Gazprom zu werden. Doch der staatliche Energieriese poliert damit sein Image auf. Hinzu kommt der unkomplizierte Zugang in VIP-Logen der Stadien zu Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik.

Firma von russischem UEFA-Exko-Mitglied auf US-Sanktionsliste

Alexander Dyukov, Chef von Gazprom Neft und Mitglied der UEFA-Exekutive | Yegor Aleyev via www.imago-images.de

Alexander Dyukov, Chef von Gazprom Neft und Mitglied der UEFA-Exekutive Bild: Yegor Aleyev via www.imago-images.de

Auf der Entscheidungsebene der UEFA ist Russland ebenfalls seit Jahren etabliert. Gazprom-Funktionäre haben in der UEFA ein gewichtiges Wort, was ein Blick auf die Personalien in den relevanten Gremien der vergangenen Jahre zeigt. Die russischen Funktionäre, die im UEFA-Exekutivkomitee oder im Auftrag der UEFA im FIFA-Rat saßen, hatten alle einen Bezug zu dem Unternehmen. Das gilt auch für Alexander Dyukov, der seit 2021 Mitglied der UEFA-Exekutive ist und auch am Freitag grundsätzlich ein Stimmrecht hatte.

Dyukov war Präsident von Zenit Sankt Petersburg, ist mittlerweile Präsident des russischen Verbandes RFS und Vorstandsvorsitzender der Gazprom-Tochter Gazprom Neft. Dyukov kritisierte in einer Mitteilung die Entscheidung der UEFA zur Verlegung des Endspiels: "Wir glauben, dass die Entscheidung, das Finale der Champions League zu verlegen, von politischen Gründen diktiert ist. Der RFS (Verband) hält sich immer an das Prinzip, den Sport aus der Politik herauszuhalten und kann diese Entscheidung deshalb nicht unterstützen." Das von ihm geführte Unternehmen Gazprom Neft, steht seit Donnerstag auf der Sanktionsliste der USA.

Russische und ukrainische Teams müssen auf neutralen Plätzen spielen

Das UEFA-Exekutivkomitee beschloss am Freitag außerdem, dass russische und ukrainische Klubs und Nationalmannschaften, die an UEFA-Wettbewerben teilnehmen, ihre Heimspiele bis auf Weiteres an neutralen Orten austragen müssen. Das gilt beispielsweise für die Mannschaft von Spartak Moskau, die im Achtelfinale der Europa League auf RB Leipzig trifft. Die UEFA schrieb, dass sie Bemühungen unterstützen werde, "um sicherzustellen, dass Fußballspieler und ihre Familien in der Ukraine, die mit schrecklichem menschlichen Leid, Zerstörung und Vertreibung konfrontiert sind, gerettet werden". Am Donnerstag hatte die UEFA das Vorgehen Russlands verurteilt.

Ungeklärt bleibt der Umgang mit den Playoffs der europäischen Qualifikation zur WM 2022 in Katar. Am 24. März soll in Moskau Russland gegen Polen im Halbfinale spielen, auch im Endspiel am 29. März hätte Russland bei einem Weiterkommen Heimrecht, dann gegen Tschechien oder Schweden. Die Spiele in der WM-Qualifikation fallen aber unter die Regie des Weltverbands FIFA. Die Verbände aus Polen, Tschechien und Schweden schrieben in einem gemeinsamen offenen Brief an die FIFA, dass man keinesfalls in Russland spielen wolle und baten um eine Verlegung an andere Spielorte. FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz, dass die Lage weiter beobachtet werde. "Der Ratsausschuss wird eine Entscheidung treffen, sobald das nötig und möglich ist", sagte Infantino.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Februar 2022 um 12:04 Uhr.