Die eingestürzte Tribüne in Nijemgen | imago images/ANP/Vincent Jannink

Niederlande Tribüne bricht unter hüpfenden Fans zusammen

Stand: 17.10.2021 21:18 Uhr

Ein Teil der Tribüne im Stadion von Nijmegen ist eingestürzt, als Gäste-Fans aus Arnheim auf ihr hüpften. Forscher warnen schon lange vor Gefahren auch in Deutschland.

Von Volker Schulte

Die Bilder aus dem niederländischen Nijmegen sind erschreckend: Während Fans von Vitesse Arnheim hüpfend ihre Mannschaft feiern, bricht unter ihnen die Tribüne ein. Weil nur der untere Teil des Bauwerks betroffen ist und ein darunterstehender Container den Sturz abbremst, geht die Szene glimpflich aus. Die Fans fallen nur eine kurze Distanz - und feiern anschließend sogar weiter. Ihr Team, Vitesse Arnheim, hatte die Partie bei NEC Nijmegen 1:0 gewonnen.

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"Zum Glück ist, so weit bisher bekannt, niemand verletzt worden", sagte Nijmegens Bürgermeister Hubert Bruls: "Ich möchte, dass so schnell wie möglich untersucht wird, was hier passiert ist." Bruls hatte sich die Partie mit seinem Amtskollegen aus Arnheim angeschaut.

Die eingestürzte Tribüne in Nijemgen | imago images/Pro Shots

Die eingestürzte Tribüne in Nijemgen Bild: imago images/Pro Shots

Todesopfer in Brasilien

Wie fatal ein solcher Einsturz ausgehen kann, zeigt ein Beispiel aus Brasilien aus dem Jahr 2007. Dort brach die Tribüne in Salvador de Bahia unter feiernden Fans zusammen. Mehrere Fans stürzten 15 Meter in die Tiefe, acht Menschen starben.

Warnung vor gefährlichen Schwingungen

Daraufhin machten Bauingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) darauf aufmerksam, dass solch eine Tragödie auch in Deutschland möglich sei. Mithilfe von Lastmodellen errechnet das Forschungsteams EKIB (Entwurfsgrundlagen im Konstruktiven Ingenieurbau) die Auswirkungen des Zuschauerverhaltens auf das Tragwerk. 

"Unsere Simulationen zeigen, dass die dynamischen Lasten der hüpfenden Zuschauer um das Dreieinhalb- bis Viereinhalbfache höher sind als die statischen Lasten", sagte Michael Kasperski, der Leiter des Forschungsteams. 2011 warnte Kasperski in einem Reuters-Interview mit Blick auf mögliche Entwurfsmakel von deutschen Stadien: "Es macht mir Sorge, dass am nächsten Samstag oder in drei Jahren oder in zehn Jahren eine Katastrophe passieren könnte."

Tribüne in Magdeburg auf dem Prüfstand

Auch in Magdeburg, wo die Fans des FCM gerne hüpfend feiern, waren 2016 bedrohliche Schwingungen gemessen und Betonschäden festgestellt worden. Die Tribüne wurde durch Baumaßnahmen verstärkt und 2019 einem Härtetest unterzogen. Dieser verlief erfolgreich, sodass die Fans weiterhin hüpfen dürfen.

2019: Stadiondach in Alkmaar stürzt ein

In den Niederlanden hatte 2019 zudem das Stadion von AZ Alkmaar für Negativschlagzeilen gesorgt. Ein Teil der Dachkonstruktion stürzte während eines Surms mit heftigen Windböen ein. Verletzt wurde niemand, das Stadion war zum Zeitpunkt des Einsturzes leer.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete das Erste am 17. Oktober 2021 um 18:30 Uhr in der Sportschau.