Bundesliga-Schiedsrichter Christian Dingert zeigt ein Handspiel an | Bildquelle: Groothuis/Witters/Pool/Witters

Fußball Handspiel: UEFA fordert Rückkehr zur alten Regel

Stand: 06.11.2020 18:33 Uhr

Die UEFA hat die FIFA laut Medienberichten aufgefordert, bei den Regelhütern des Fußballs auf eine Rückkehr zur alten Handspielregel hinzuwirken. Im Grundsatz soll die Absicht wieder stets entscheidend sein. Die IFAB-Regelhüter wollen den Vorschlag nun offenbar prüfen.

Von Chaled Nahar

Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) beruft sich auf einen Brief, den UEFA-Präsident Aleksander Ceferin demnach an FIFA-Präsident Gianni Infantino geschrieben hat. Er fordert darin eine Rückkehr zur alten Regel. Die Fußball-Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) wollen den Vorschlag der Europäischen Fußball-Union nun offenbar prüfen. Das bestätigte Weltverbandspräsident Infantino nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einem Schreiben an UEFA-Präsident Ceferin. Das Thema stehe auf der Agenda für im November angesetzte Treffen.

Grundsätzliche Strafbarkeit in bestimmten Fällen sorgt für Kritik

Ceferins Forderung bezieht sich auf mehrere Handspiel-Entscheidungen in den vergangenen Monaten, bei denen der Ball ausgestreckte oder hoch erhobene Arme traf. Seit der Regeländerung 2019 sind Handspiele über Schulterhöhe grundsätzlich strafbar, auch wenn keine Absicht vorliegt. Vom Körper gestreckte Arme gelten als "unnatürliche Körperhaltung" und werden bei Ballberührung ebenfalls geahndet. Vor der Änderung musste der Schiedsrichter dem Spieler Absicht unterstellen.

"Der Versuch, strafbares Handspiel genau zu definieren, hat zu vielen unfairen Entscheidungen geführt, die von der Fußballgemeinschaft mit wachsender Frustration und Unbehagen aufgenommen wurden", schrieb Ceferin laut AP: "Ich glaube, dass es eine Option ist, zum vorherigen Wortlaut zurückzukehren."

Ceferin: "Es ist keine Schande", Fehlentscheidungen zuzugeben

Die Regeln des Fußballs legt nicht die FIFA, sondern das International Football Association Board fest. Die FIFA hat dort aber ein großes Mitspracherecht. Vier der acht stimmberechtigten Mitglieder kommen von der FIFA, die anderen vier Stimmen halten die vier britischen Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland.

Am 16. Dezember steht eine entscheidende Sitzung der Regelhüter an, die die Generalversammlung im Frühjahr vorbereitet. Für eine Regeländerung ist dort eine Dreiviertel-Mehrheit nötig. Ceferin spielte das IFAB direkt an und schrieb laut AP: "Es ist keine Schande zuzugeben, dass gut gemeinte Entscheidungen manchmal ihre Ziele nicht erreichen und überprüft werden sollten."

IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud bestätigte der Sportschau gegenüber, dass man das Anliegen der UEFA kenne. "Das Handspiel steht aber sowieso auf der Tagesordnung, weil alle Regeländerungen rückblickend besprochen werden", sagte Brud.

Fundamentale Änderungen beim Handspiel 2019

Die Handspielregel wurde 2019 reformiert. Seitdem führen nicht nur hoch erhobene oder ausgestreckte Arme zu einem strafbaren Handspiel. Auch Torerzielungen und Torvorbereitungen sind mit der Hand immer strafbar - egal, ob Absicht vorliegt oder nicht. Ceferin kritisiert in dem Brief laut AP, dass dadurch auch dann Tore zurückgepfiffen werden, wenn die Berührung mit der Hand gar keine entscheidende Rolle gespielt hat.

"Diese Regeln sind auch mit Bezug auf den Video-Assistenten zu sehen", sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" im Gespräch mit der Sportschau: "Sie sollen klare Kategorien liefern, die es dem Video-Assistenten leichter machen, ein Handspiel zu überprüfen und gegebenenfalls einen Eingriff zu rechtfertigen."

2020 konkretisierte das IFAB, welche Bereiche des Arms zu einem Handspiel führen. Seitdem ist der obere Teil des Oberarms bis auf Höhe der Achselhöhle straffrei.

Das IFAB definiert "Schulter" und "Arm" bei Handspielen
Das IFAB definiert "Schulter" und "Arm" bei Handspielen

Quelle: sportschau.de

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