Die Südafrikanerin Caster Semanya bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Streit um "Testosteron-Regel" Semenya scheitert vor Sportgerichtshof

Stand: 01.05.2019 12:16 Uhr

Die zweimalige 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya hat eine womöglich weitreichende juristische Niederlage erlitten und steht vor einer ungewissen Zukunft als Leistungssportlerin.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS lehnte am Mittwoch (01.05.2019) einen Einspruch der Südafrikanerin gegen die sogenannte "Testosteron-Regel" des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF ab.

Die IAAF will über bestimmte Strecken (400 m bis Meile) einen Grenzwert für körpereigenes Testosteron von fünf Nanomol pro Liter einführen. Dies zwingt Athletinnen mit "Differences of Sexual Development" (DSD) wie Hyperandrogenämie dazu, ihren Testosteronwert, der teilweise deutlich über dem Grenzwert liegt, künstlich zu senken. Der Leistungsvorteil von Athletinnen mit einem natürlich erhöhten Testosteronwert soll laut IAAF bei bis zu 4,5 Prozent liegen. Die IAAF betonte immer wieder, ihr gehe es um den "fairen Wettbewerb" zwischen Frauen.

Start bei WM in Doha ungewiss

Semenya hatte in ihrer Karriere bereits ihren Testosteronwert zeitweise künstlich senken müssen und daraufhin deutlich langsamere Zeiten erzielt. Ob Semenya bei der WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) startet, ist ungewiss.

Laut IAAF müssen Athletinnen, die unter die Regel fallen, eine Woche nach der Entscheidung anfangen, ihren Testosteronwert zu senken. Semenya hatte bei der fünftägigen Anhörung vor dem CAS, die Mitte Februar stattfand, diese Regel als "verletzend" bezeichnet.

Enttäuschte Reaktionen

In einer Erklärung ihres Anwalts hieß es, die Bestimmungen der IAAF würden "niemanden stärken", sie stellten vielmehr "einen weiteren fehlerhaften und verletzenden Versuch" dar, "das weibliche Geschlecht zu überwachen". Semenya kann gegen das Urteil Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einlegen, auch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ist denkbar.

Mit Enttäuschung ist das Urteil auch in Südafrika aufgenommen worden. Sportministerin Tokozile Xasa machte der zweimaligen Olympiasiegerin aber auch Mut: "Du bleibst unser Golden Girl. Du hast eine Nation geeint", sagte sie am Mittwoch. "Wir haben immer gesagt, dass diese Regeln auf den Menschenrechten und der Würde von Caster Semenya und anderen weiblichen Athleten herumtrampeln", betonte das Ministerium für Sport und Freizeit in einer Erklärung.

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband ist das CAS-Urteil hingegen "ein klares Bekenntnis für den Frauensport in der bisherigen Klassifizierung». Der Spruch des Internationalen Sportgerichtshofs setze «auf die Chancengleichheit in einem sportlich fairen Wettkampf", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing.

Komplexer Fall

2015 hatte die indische Sprinterin Dutee Chand vor dem CAS bereits mit einem Einspruch Erfolg gegen die Regel. Daraufhin bekam der Verband zwei Jahre Zeit, wissenschaftliche Beweise zu liefern.

Die zunächst für bis zum 26. März in Aussicht gestellte Entscheidung des CAS war wegen der Komplexität des Falls verschoben worden. Daher wurde die Einschränkung, dass Athletinnen sechs Monate vor internationalen Starts unter dem Grenzwert liegen müssen, zunächst ausgesetzt.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2019 um 16:48 Uhr.

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