Kölns Florian Kainz sitzt nach seiner Auswechslung mit Maske auf der Tribüne. | Bildquelle: dpa

Neustart der Bundesliga Ein guter Anfang - mehr nicht

Stand: 17.05.2020 20:00 Uhr

Die Bundesligen spielen wieder, und sie haben einen guten Start hingelegt. Aber es ist nicht mehr als ein Start, das Risiko bleibt bestehen, die Verantwortung steigt sogar noch.

Von Marcus Bark

Es war - das wurde auch häufig genug zugegeben - der wirtschaftliche Zwang, der die Deutsche Fußball Liga (DFL) drängte. So schnell wie möglich sollte in den höchsten beiden deutschen Ligen wieder gespielt werden. Zehn Tage nur vergingen vom Einverständnis der Politik bis zum ersten Anstoß. Das war gewagt, zumal der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte, wie repräsentative Umfragen zeigten.

Werbefaktor: hoch - Echo: positiv

Noch bevor die englische Premier League und spanische Primera Division ein Datum für Fortsetzung der Spielzeiten festgelegt haben, rollten in Deutschland schon wieder die Bälle. Der enorme Werbefaktor durch die hohe Aufmerksamkeitssteigerung war nicht vordergründig gewollt, wurde aber gewiss gerne mitgenommen.

Das Echo fiel auch positiv aus. Es gab in den Medien Jubelarien mit nationalistischem Unterton, überwiegend aber sachliche und differenzierte Analysen. Tenor: Es ist glatt gelaufen.

Das Risiko ist geringer geworden

Wichtig waren vor allem die Ergebnisse. Aber nicht die, die hinterher in die Tabellen eingehen, sondern die Ergebnisse der Tests. Hätte es am Samstagmorgen ein positives Testergebnis, eine damit mögliche Mannschaftsquarantäne und somit einen weiteren Spielausfall gegeben - die Schlagzeilen hätte sich jeder ausmalen können. Noch ist der Start auch nicht vollständig gelungen, denn am Montag (18.05.2020) steht noch das Spiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen an. Die Bremer müssen ohnehin noch eine Partie (gegen Eintracht Frankfurt) nachholen.

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Sollten die Ligen wie gewünscht bis zum 30. Juni fertig werden wollen, darf nichts mehr passieren. Das Risiko, doch die Saison abbrechen zu müssen, ist geringer geworden. Aber es besteht schon allein durch die hohe Zahl der Restspieltage: noch immer sind es acht.

Alles im Rahmen

Die Vorschrift, sich im Mannschaftskreis unter Quarantänebedingungen auf die weiteren Begegnungen vorbereiten zu müssen, ist nun aufgehoben. Die Verantwortung des Einzelnen steigt weiter.

Am Wochenende des Wiederbeginns waren sich die Protagonisten dieser Verantwortung bewusst. Es gab verrutschte Mund-Nasen-Schutzmasken, einige Torjubel am Wortlaut der Hygienevorschriften vorbei  - aber alles im Rahmen, wenn berücksichtigt wird, dass die jubelnden Spieler zuvor in Zweikämpfen ihren Schweiß verteilten.

Sportlich durchaus unterhaltsam - Neugierde groß

Sportlich war es ziemlich gut, besser als vermutlich viele dachten. Borussia Dortmund gewann das Derby gegen den FC Schalke 04 mit einer sehr überzeugenden Leistung, Hertha BSC fand unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia sofort in die Spur, Borussia Mönchengladbach brauchte in Frankfurt nur acht Minuten für die ersten beiden Tore. Auch in der 2. Liga wurde ordentlich gespielt, am Sonntag ging es in den Partien der drei Spitzenmannschaften mit späten Toren sehr unterhaltsam zu.

Die übertragenden Fernsehsender durften mit den Einschaltquoten sehr zufrieden sein. Aber die Zahlen haben nur eine bedingte Aussagekraft. Wenn etwas neu ist, zieht es zunächst an. Ein Spieltag ohne Zuschauer war und ist etwas Neues. Die Neugier war groß. Wie das wohl ist, wenn die Anweisungen der Trainer und Spieler zu hören sind, wollten viele wissen. Wie sich wohl die Fans verhalten würden, hatten sich einige gefragt. Die Fans verhielten sich dann so, wie sie es angekündigt hatten - vorbildlich. 

Fehlende Stimmung ist der große Makel

Sie schauten oder hörten zu Hause oder in Gaststätten im kleinen Kreis. Oder sie schauten gar nicht, weil Fußball ohne Zuschauer für sie keinen Reiz hat. 

Es gab keine Stimmung - das ist der riesige Makel, der wegen der wirtschaftlichen Zwänge in Kauf genommen wurde. Er bleibt in den kommenden Wochen und Monaten bestehen. Auch deshalb ist trotz des guten Starts noch alles ziemlich fragil. 

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Bild von einem der Geisterspiele des 26. Spieltag

Bevor es losgehen kann: Fiebermessen, zumindest bei denen, die außerhalb der Teams zu den wenigen gehören, die das Stadion betreten dürfen - so wie hier bei einem Fotografen in Hoffenheim. | Bildquelle: REUTERS

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die Sportschau am 17. Mai 2020 um 18:30 Uhr.

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