Die jamaikanische Sprinterin Shelly-Ann Fraser-Pryce bejubelt ihren Sieg über 100 m bei der Leichtathletik-WM 2022 in Eugene. | IMAGO/Stian Lysberg Solum/NTB

Leichtathletik-WM in Eugene Fünftes WM-Gold für Fraser-Pryce

Stand: 18.07.2022 03:21 Uhr

Shelly-Ann Fraser-Pryce alias "Pocket Rocket" hat wieder den Turbo gezündet und in Eugene Geschichte geschrieben. Es ist der fünfte Weltmeistertitel über 100 Meter für die Jamaikanerin und der zehnte insgesamt. Für Gina Lückenkemper war im Halbfinale Endstation.

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Explosiver Start und Stehvermögen: Shelly-Ann Fraser-Pryce machte im Hayward Field Stadium ihrem Spitznamen "Pocket Rocket" alle Ehre und sprintete in unnachahmlicher Weise zum Sieg. 10,67 Sekunden bedeuteten WM-Rekord für die gerade einmal 1,52 Meter große Jamaikanerin, die damit als einzige Leichtathletin fünfmal Gold in der gleichen Einzeldisziplin gewonnen hat.

Fraser-Pryce: "Ich fühle mich gesegnet"

"Ich fühle mich gesegnet, dass ich dieses Talent habe und mit 35 Jahren und einem Baby immer noch dabei bin und hoffentlich Frauen inspirieren kann, ihren eigenen Weg zu gehen", sagte Fraser-Pryce.

Vor 13 Jahren in Berlin hatte sie erstmals den WM-Titel geholt. Insgesamt hat Fraser-Pryce nun zwölf WM-Medaillen gesammelt, zehnmal Gold und zweimal Silber. Auf mehr Weltmeisterschafts-Triumphe kommen nur die Amerikanerin Allyson Felix (13) und der Jamaikaner Usain Bolt (11).

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Jamaikanisches Treppchen

Hinter "Pocket Rocket" ging Silber an Shericka Jackson (10,73). Olympiasiegerin Elaine Thompson-Herah (10,73) blieb nur Bronze, machte damit aber das rein jamaikanische Treppchen perfekt. Am Tag zuvor hatten die USA den "Sweep" im Männerfinale über 100 Meter geschafft. In einem denkwürdigen WM-Finale der Frauen blieben sieben von acht Läuferinnen unter der magischen Elf-Sekunden-Marke.

Lückenkemper-Aus im Halbfinale

Gina Lückenkemper schied mit 11,08 Sekunden in ihrem Halbfinallauf als Vierte aus. Der 25-Jährigen, die erneut nicht gut aus den Blöcken kam, fehlten letztlich zwölf Hundertstel zum Finale. Im Vorlauf war die Vize-Europameisterin von 2018 nach schwachem Start 11,09 Sekunden gelaufen.

Bereits vor vier Jahren hatte die Sprinterin vom SCC Berlin das WM-Halbfinale erreicht. Damals war sie in London in Runde eins als erste Deutsche seit Katrin Krabbe unter elf Sekunden gesprintet (10,95), dann aber nicht über 11,16 hinausgekommen. Nach vier durchwachsenen Jahren war Lückenkemper bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni erstmals wieder unter elf Sekunden geblieben.

Die letzte deutsche Medaille im 100-Meter-Sprint hatte Krabbe als Weltmeisterin 1991 in Tokio geholt. Zuletzt stand Melanie Paschke 1997 in einem WM-Finale über 100 Meter, damals wurde die Wattenscheiderin Sechste.

Fehlstart und Buh-Rufe der Zuschauer

"Nichtsdestotrotz sind 11,08 Sekunden eine gute Leistung und ich bin Dreizehnte der WM geworden", so Lückenkemper. "Es war aber ein bisschen wild heute." Durch einen Fehlstart samt Diskussionen von TyNia Gaither hatte sich der Halbfinallauf der Deutschen gezogen. Nach der Disqualifikation der Sprinterin von den Bahamas hatte das Publikum mitten in die folgende Konzentrationsphase der Läuferinnen gebuht. "Ich kann den Frust verstehen, aber das war einfach unfair allen anderen Sportlern gegenüber", sagte Lückenkemper: "Dreimal in den Startblock zu gehen, um einmal zu rennen, das war schon heavy."

Die Deutsche ließ sich die Vorfreude auf ihren zweiten Auftritt bei der WM aber nicht nehmen. "Jetzt geht es noch mit der Staffel rund, darauf freue ich mich", sagte Lückenkemper. Die Vorläufe über 4x100 Meter der Frauen stehen am kommenden Samstag (23.07.2022, 2.40 Uhr) an. Das Finale steigt am Schlusstag der Weltmeisterschaften in Eugene. "Ich glaube schon, dass wir ein ordentliches Team auf der Bahn stehen haben werden und ordentlich etwas auf das Parkett zaubern können."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 18. Juli 2022 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.